OPEC senkt Rohöl-Produktion um 520 000 Barrel

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Wien (dpa) - Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) will den Rückgang der Rohölpreise stoppen und dafür ihre Förderung um rund eine halbe Million Barrel (je 159 Liter) pro Tag kürzen.

Der Beschluss, den die 13 OPEC-Ölminister am frühen Mittwochmorgen in Wien trafen, kam auch für die meisten Experten überraschend. Am Mittwoch löste er jedoch nur einen leichten und zudem kurzfristigen Anstieg der Ölpreise aus. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte WTI mit Auslieferung im Oktober kostete am frühen Abend 102,55 Dollar und damit 71 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank um 1,07 Dollar auf 99,28 Dollar. Am späten Dienstagabend war der Preis für Brent-Öl erstmals seit fünf Monaten zeitweise unter die Marke von 100 Dollar gesunken.

"Am Markt schleichen sich allmählich Zweifel ein, ob die Förderkürzung der OPEC auch tatsächlich umgesetzt wird", sagte Commerzbank-Experte Carsten Fritsch. Dies halte die Ölpreise unter Druck. Insbesondere sei die Position Saudi-Arabiens unklar. Ohne dieses für die Ölmärkte besonders wichtige Land könne eine Reduzierung der Ölförderung faktisch aber nicht umgesetzt werden. Die jüngste Dollar-Stärke sorge für zusätzlichen Druck am Ölmarkt. Der Euro fiel am Mittwoch mit 1,4035 Dollar auf ein Jahrestief.

Der amtierende OPEC-Präsident Chakib Khelil hatte angekündigt, man werde angesichts der "überversorgten Märkte" ab sofort auf eine strikte Einhaltung der neuen Förderquoten achten. Vor allem Saudi-Arabien hatte seit August deutlich mehr Rohöl gefördert als von der OPEC vorgesehen. Dies war nach Einschätzung von Analysten ein wichtiger Grund dafür, dass Preis für Rohöl in den vergangenen Wochen von rund 147 US-Dollar im Juli auf rund 100 Dollar gesunken war. Auch der Preis für OPEC-Öl lag am Vortag erstmals seit über fünf Monaten wieder unter der Marke von 100 Dollar bei 98,49 Dollar, teilte das OPEC-Sekretariat am Mittwoch mit.

Zugleich senkte die Konferenz der Ölminister die bisher gültige Förderquote von zurzeit 29,67 Millionen Barrel auf 28,8 Millionen Barrel. Die Förderquote ist aber nur eine theoretische Richtmarke, die in der Praxis deutlich übertroffen wird. Zuletzt lag die tatsächliche Förderung aller 13 OPEC-Länder Schätzungen zufolge über 32 Millionen Barrel pro Tag. Faktisch steckt hinter der Quotenänderung ohnehin nur eine Bereinigung der offiziellen OPEC- Quote um Veränderungen im Kreis der OPEC-Mitglieder.

OPEC-Präsident Khelil ging davon aus, dass die Preise trotz der verringerten Produktion weiter fallen. Der zurzeit steigende US-Dollar werde sich mäßigend auf die Preise auswirken. OPEC-Sprecher Omar Ibrahim sagte hingegen, es gebe Hinweise auf eine "Veränderung des Trends" zugunsten steigender Ölpreise. Analysten hatten damit gerechnet, dass die Konferenz die Quoten zumindest bis zur nächsten außerordentlichen Sitzung am 17. Dezember nicht antasten würde.

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet unterdessen, dass die Ölnachfrage in diesem und im nächsten Jahr langsamer wächst als bislang vermutet. Die Nachfrage werde in diesem Jahr nur um 0,8 Prozent auf 86,8 Millionen Barrel pro Tag steigen. Das sind 100 000 Barrel pro Tag weniger als bisher erwartet. Für 2009 nahm die IEA ihre Prognose für die Nachfrage um 140 000 Barrel zurück und erwartet jetzt nur noch einen Anstieg um ein Prozent auf 87,6 Millionen.

Russland übermittelte dem Ölkartell am Dienstagabend eine Absichtserklärung für eine engere Zusammenarbeit. "Die Zusammenarbeit mit der OPEC ist eine der wichtigsten Ziele Russlands", sagte der russische Vizepremierminister Igor Sechin, der auch Vorsitzender des größten russischen Ölkonzerns Rosneft ist. Analysten brachten diesen Schritt mit den Spannungen zwischen dem Westen und Russland über den Georgien-Konflikt in Verbindung.

Die 13 Ölminister wählten den angolanischen Ölminister Desidério da Graça Verissímo e Costa (74) zum Präsidenten der OPEC-Konferenz für das Jahr 2009. Er löst dann den Algerier Chakib Khelil ab, der der Konferenz im laufenden Jahr vorstand. Sein Stellvertreter wird der ecuadorianische Amtskollege Galo Chiriboga Zambrano.

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