Opel:-Chef: Umweltfreundlichkeit wird nie alleiniges Kriterium sein

- Rüsselsheim ­- Die heimische Autoindustrie steht wegen des zu hohen Kohlendioxid-Ausstoßes deutscher Autos in der Kritik. Im Interview erklärt Opel-Chef Hans Demant, warum er sich über die Nachfrage nach umweltfreundlicheren Autos freut und was er von einer Berechnung der Kfz-Steuer auf CO2-Basis hält.

Herr Demant, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee will die Autohersteller verpflichten, ab 2008 bei Neuwagen Emissionen und Spritverbrauch auszuweisen, um den Kunden eine bessere Vergleichbarkeit zu geben? Wie steht Opel dazu?

Demant: Schon heute zeigen Opel-Händler ihren Kunden für jedes Auto die detaillierten Verbrauchs- und CO2-Emissionswerte.

Erwarten Sie künftig Veränderungen im Käuferverhalten, also ein größeres Interesse an umweltfreundlichen Autos?

Demant: Wir freuen uns über größeres Interesse an umweltfreundlichen Autos. Immerhin bieten wir bereits jetzt zahlreiche Fahrzeuge an, die unter dem Grenzwert von 140 Gramm CO2 pro Kilometer liegen. Darunter voll familientaugliche Autos wie beispielsweise Meriva oder Zafira. Aber Umweltfreundlichkeit wird nie das alleinige Kriterium beim Autokauf sein. Unsere Kunden wollen auch einen hohen Nutzwert, Qualität und Sicherheit, und das zu einem attraktiven Preis.

Muss Opel seine Modellpolitik ändern, wenn die Große Koalition die Berechnung der Kfz-Steuer an Emissionswerte knüpft und dem Klimaschutz so einen höheren Stellenwert im Käuferverhalten verschafft?

Demant: Opel hat traditionell beim Umweltschutz eine führende Position. Katalysator, Partikelfilter und Erdgasauto stehen dafür. Eine CO2-basierte Kfz-Steuer ist grundsätzlich eine gute Sache. Es muss jedoch sichergestellt werden, dass dem Autofahrer keine zusätzlichen Lasten aufgebürdet werden. Er zahlt schon genug an den Staat.

Teilen Sie die Einschätzung, dass die Entwicklung klimaschonender Automobile der deutschen Industrie einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen kann?

Demant: Durchaus. Umweltverträglichkeit ist ein sehr wichtiger Aspekt und wir werden uns in Zukunft noch stärker darauf konzentrieren. Aber auch in Zukunft muss ein Auto in der Summe seiner Eigenschaften spitze sein, damit es im Wettbewerb die Nase vorn hat. Sicherheit, Qualität, Design, Fahrverhalten werden beim Kunden auch weiterhin ihren hohen Wert behalten.

Opel bietet verschiedene Fahrzeugtypen mit Erdgasmotor an. Könnte eine Ausweitung der Angebotspalette für Ihr Unternehmen die Lösung sein?

Demant: Opel bietet mit Zafira CNG und Combo CNG zwei Fahrzeuge an, die mit Erdgas und Biogas klimaschonend fahren. Damit haben wir uns in diesem Segment eine führende Rolle erarbeitet. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie heute von einem Erdgas-Zafira abgeholt werden, wenn Sie zum Beispiel in Berlin ein Taxi bestellen, ist ausgesprochen hoch. Doch obwohl die Kraftstoffanbieter schon ordentlich in Tankstellen investiert haben, muss das Erdgas-Tankstellennetz europaweit noch dichter werden, damit diese Autos so attraktiv werden, dass wir sie über die gesamte Modellpalette anbieten können.

Wann kommt der erste Opel mit umweltschonendem Hybridantrieb?

Demant: Natürlich arbeiten wir auch an Hybridfahrzeugen und werden mit den passenden Antworten auf die aktuellen Erfordernisse kommen. Auf diesem Sektor kooperieren wir eng mit BMW und Daimler-Chrysler.

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