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Droht die Sanierung von Opel zu scheitern?

Zukunft von Opel steht erneut auf der Kippe

Rüsselsheim - GM-Europachef Reilly ist beim Betriebsrat durchgefallen und verscherzt es sich langsam mit den Regierungen. Droht die Sanierung von Opel jetzt zu scheitern?

Der Autobauer Opel steht erneut am Abgrund: Die Sanierung stockt, das Klima zwischen Arbeitnehmern und Management ist so eisig wie der deutsche Winter, und auch die Erwartungen an den westeuropäischen Automarkt verheißen für den kriselnden Autobauer nichts Gutes. Bei den Gesprächen mit europäischen Betriebsräten am Montag musste Unternehmens-Lenker Nick Reilly erkennen: So schnell wie erhofft wird er die Gegenseite nicht von den Vorzügen seines Sanierungskonzepts überzeugen können.

Schon taucht die längst überwunden geglaubte Furcht vor einer Insolvenz der Traditionsmarke wieder auf. “Das Unternehmen ist in einer dramatischen Situation“, sagt Opel-Aufsichtsrat Armin Schild. Die Gefahr einer Insolvenz sei keineswegs gebannt. Über ein Jahr nach Beginn der Opel-Krise wackelt die Finanzierung mehr denn je.

Der US-Mutterkonzern General Motors (GM) will bei den Opel-Ländern europaweit rund 2,7 Milliarden Euro Steuergelder einsammeln, nach Betriebsratsangaben selbst aber keine zusätzlichen Mittel aufbringen. Demnach sieht GM seine Schuldigkeit durch die Rückzahlung des Brückenkredits über 600 Millionen Euro und einen Vorschuss über 650 Millionen Euro vom Januar getan.

Zweifel sind angebracht, ob die Politik in Deutschland mitspielt. Selbst Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz hat die Hoffnung vorerst begraben: “Die Regierungsunterstützung geht gegen null. Diesen Plan wird niemand mittragen.“ Da das Unternehmen gleichzeitig auf versprochene 500 Millionen Euro aus Belgien verzichtet - und stattdessen rund eine halbe Milliarde Euro in die Schließung des Standortes Antwerpen steckt - droht es eng zu werden.

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Auch Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer mahnt: “Die Finanzierung ist das Kernthema der Opel-Sanierung - und sie bleibt ein Buch mit sieben Siegeln.“ Das sei gefährlich, zumal sich Opel 2010 auf hohe Verluste einstellen müsse.

Schon mehrmals hatte Reilly die Veröffentlichung seines Restrukturierungsplans verschieben müssen. Vergangene Woche überraschte er dann mit der Ankündigung, das Konzept sei fertig, nur die Unterschriften fehlten - diese erwarte er bis Mitte Februar. Nun muss der langjährige GM-Manager erkennen: Er hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn Arbeitnehmer und Gewerkschaften sind nicht bereit, eine Unterschrift unter einen Vertrag zu setzen, der ihnen Gehaltseinbußen von jährlich 265 Millionen Euro auferlegt und den Abbau von 10 000 Stellen vorsieht, aber ihre Kernforderungen nach einer Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter oder dem Verzicht auf Werkschließungen ignoriert.

Betriebsrat und IG-Metall werfen Reilly offenen Vertragsbruch vor. “Die Absicht von Opel/Vauxhall, ein neu entwickeltes Opel-Modell nicht mehr in Antwerpen zu produzieren, sondern die Fertigung nach Korea zu verlagern, verstößt offen gegen vertragliche Zusagen“, sagt Gewerkschafts-Chef Berthold Huber. Es sei nicht hinnehmbar, dass die geforderten Arbeitnehmerbeiträge dazu missbraucht würden, die Schließung von Standorten zu finanzieren.

Keine Frage: Seit Reilly im Januar das Steuer bei Opel übernahm, hat er einiges an Porzellan zerschlagen. Er kam, sah und stieß den Betriebsrat vor den Kopf - etwa bei der Einstellung des neuen Cheflobbyisten Volker Hoff (CDU). Noch schwerer wiegt aber Reillys Vorpreschen bei der Entscheidung, das Werk in Antwerpen mit seinen 2600 Beschäftigten im Laufe des Jahres zu schließen. Denn eigentlich wollen Management und Arbeitnehmer erst noch über den Sanierungsplan verhandeln.

Bislang hatte das belgische Werk als ein Teil der Verhandlungsmasse gegolten. Doch der Brite zog es vor, ohne Zustimmung der Betriebsräte Nägel mit Köpfen zu machen: “Zum Wohle der Zukunft des Unternehmens können wir nicht immer nur reden, wir müssen auch mal handeln“, sagt der Opel-Chef. Ohnehin hätten die Mitarbeiter nicht zugestimmt.

Nun stehen Betriebsräte und Gewerkschaften vor einem Dilemma: Wie können sie dem Sanierungsplan zustimmen, ohne das Gesicht zu verlieren. Die Zeit drängt - nicht nur wegen der Wettbewerber, sondern auch mangels liquider Mittel. Ohne staatliche Hilfen und Mitarbeiterbeiträge ergäbe sich eine Finanzierungslücke von 4 Milliarden Euro.

dpa

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