Chef ein „knallharter Sanierer“

Mega-Fusion zweier Konzerne: Deutscher Autopapst prophezeit drastische Einschnitte bei Opel

  • Patrick Freiwah
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Die Industriegiganten PSA und Fiat Chrysler fusionieren. Aus dem Deal geht der viertgrößte Autokonzern der Welt hervor. Wie wirkt sich das auf die deutsche Tochter Opel aus?

  • „Elefantenhochzeit“ in der Autoindustrie: Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler fusionieren zu einem Konzern.
  • Welche Auswirkungen hat der Zusammenschluss für die deutsche Traditionsmarke aus Rüsselsheim?
  • Für Beschäftigte und Zulieferer wird es schwer. Das prognostiziert Deutschlands „Autopapst“ Dudenhöffer.

Rüsselsheim - Seit Opel im Sommer 2017 von General Motors in französische Hände der Groupe PSA fiel, schaffte es Konzernchef Carlos Tavares, die deutsche Traditionsmarke zurück in die Gewinnzone zu führen. Jedoch geschah das nicht ohne personelle Auswirkungen: Der Portugiese, Nachfolger des schillernden Carlos Ghosn, leitet das Unternehmen mit eiserner Hand und schnallte den Kostengürtel ein deutliches Stück enger: Bei Opel wurden Tausende Stellen abgebaut, durch Verabschiedungen in den Ruhestand oder auch Abfindungen. So gelang es relativ zügig, die Marke mit dem Blitz aus dem Minus zu führen.

Opel und PSA: Nach Zusammenschluss mit Chrysler Fiat entsteht neuer Mega-Konzern

Mehr als drei Jahre später steht der nächste große Einschnitt vor dem Vollzug: Aus der Opel-Mutter PSA und dem US-italienischen Konzern Fiat Chrysler (FCA) entsteht einer der größten Automobilgiganten der Welt: In einer virtuellen Hauptversammlung erteilten die Aktionäre für die geplante Fusion unter dem Namen Stellantis „grünes Licht“. Umgesetzt werden soll die Fusion nach dem Vorhaben der Chefetage um Tavares „sehr schnell“. Während der 62-Jährige die Geschicke des neuen Mega-Konzerns leiten wird, soll Fiat-Erbe John Elkann als Vorsitzender des Verwaltungsrats fungieren.

Opel-SUV vor dem Hauptquartier in Rüsselsheim. Die Traditionsmarke gehört bald aller Voraussicht nach zum Konzern Stellantis.

„Stellantis“ ist übrigens Latein und steht für den Wunsch, „nach den Sternen zu greifen“. Die Probleme bleiben hingegen irdischer Natur: Aus deutscher Sicht stellt sich die Frage, welche Folgen der Deal für die Marke Opel hat. Zwangsläufig entsteht der Eindruck, dass Sorgen nicht unberechtigt sind: Schließlich konkurriert die deutsche Tochter mit noch mehr Schwestermarken als bisher um Kunden. FCA vereint neben Fiat und Chrysler auch die Hersteller Jeep, Maserati, Alfa Romeo, Dodge und Ram unter seinem Dach. Bei der Sanierung von Opel hat Tavares seinem Namen als Kosten- und Arbeitsplatzkiller ein weiteres Mal Ehre gemacht, zuvor brachte er schon Peugeot Citroën zurück auf die Erfolgsspur. Doch stehen bei den Rüsselsheimern der dpa zufolge weitere Tausend Stellen bis 2023 zur Disposition, was zu einer Ausdünnung der Produktionsstätten führt.

Opel: Welche Auswirkungen drohen deutscher Traditionsmarke nach Zusammenschluss?

Laut PSA und Fiat wird der Zusammenschluss etwa vier Milliarden Euro kosten, auf der anderen Seite jedoch fünf Mrd. Euro einsparen - und das pro Jahr. Mit der Fusion wollen die Autobauer die Entwicklungs- und Baukosten reduzieren und das Angebot in allen Bereichen vervollständigen. Tavares zufolge seien Werksschließungen nicht geplant, jedoch: Die Gewerkschaften schenken diesem Bekenntnis nur bedingt Glauben. Wie sich der Mega-Deal auf den deutschen Autohersteller auswirkt, darüber hat sich Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer pessimistisch geäußert. Deutschlands „Autopapst“ glaubt, dass im Hause Opel besonders in der Sparte Entwicklung der Verlust von Arbeitsplätzen droht: „Tavares gilt als knallharter Sanierer, der mit wenig Mitarbeitern viel Profit erarbeiten wird (...) Zulieferer in Europa und die Beschäftigten bei Opel ziehen den Schwarzen Peter“, so die düstere Prophezeiung von Dudenhöffer in einem Bericht des ZDF.

Jedoch würde die Fusion auch Vorteile bringen - zum Beispiel bei der Innovation im Bereich Elektromobilität. Und das wirkt sich zwangsläufig auch auf die Verbraucher aus: Denn Benzin ist seit dem Jahreswechsel wieder teurer geworden. Für Winfried Kretschmann ist die Erhöhung des CO2-Preises essentiell für die Bekämpfung der Klima-Erwärmung. (PF mit dpa)

Rubriklistenbild: © imago images / Jan Huebner

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