Opel: Umweg in die Arbeitslosigkeit

- Rüsselsheim - Die Angst vor einer Entlassung lässt den Opel-Beschäftigten in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern keine Ruhe. Nun soll eine Beschäftigungsgesellschaft verhindern, dass die Opelaner direkt vom Band in die Arbeitslosigkeit wandern.

<P>Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften (BQG) sind bei Pleiten oder Sanierungen ein häufig verwendetes Mittel - zum Beispiel bei Grundig oder Märklin. Auch in der Autoindustrie kommen sie bei Zulieferern zum Einsatz. Für große Autohersteller wäre eine Auffanggesellschaft dieser Größenordnung jedoch eine Premiere. Bis zu 10 000 Arbeitsplätze will GM bei Opel streichen.<BR><BR>Beschäftigungsgesellschaften ermöglichen von Entlassung bedrohten Arbeitnehmern, sich ohne Zeitdruck nach neuen Jobs umzuschauen und weiterzubilden. Meist können die Wechselwilligen mindestens ein Jahr lang etwa 80 Prozent ihres alten Nettolohns beziehen. Davon übernimmt das Arbeitsamt 60 bis 67 Prozent. Der Arbeitgeber muss den Unterschied sowie Sozialabgaben und Zuschüsse für die Qualifizierung bezahlen. Von bis zu einer Milliarde Euro für alle Sanierungsmaßnahmen zusammen genommen ist bei Opel die Rede.<BR><BR>Als entscheidend für den Erfolg gilt die Motivation, mit der ehemalige Mitarbeiter in eine Auffanggesellschaft wechseln. Für die Opelaner, die stolz auf ihren Job in dem traditionsreichen Unternehmen sind, könnte die Enttäuschung groß sein. "Viele haben dort ihre Ausbildung absolviert und erwarten, auch bei Opel in Rente zu gehen. Die Betriebsbindung ist ungeheuer groß", sagt ein Branchenkenner. "Sie müssen sich erst einmal vorstellen können, überhaupt für einen anderen Arbeitgeber zu arbeiten - das ist die Hauptaufgabe der Beschäftigungsgesellschaft."<BR><BR>Es gibt berechtigte Zweifel, ob General Motors einer derart teuren Lösung zustimmen wird. In den 1980er Jahren scherte sich das Unternehmen wenig um die entlassenen Mitarbeiter am Standort Flint. Die Folgen waren Armut und ein rasanter Anstieg der Kriminalität, der Flint über Jahre die höchste Mordrate in den ganzen Vereinigten Staaten bescherte. <BR><BR>Für die Opel-Mitarbeiter wäre die Auffanggesellschaft ohnehin nur ein Hoffnungsschimmer. Von 760 Mitarbeitern in der BQG bei Grundig fanden nur ein knappes Drittel einen neuen Job. Alle anderen waren nach einem Jahr arbeitslos.<BR></P><P><BR> </P>

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