Opel-Belegschaft fürchtet Allianz mit Renault und Nissan

- Rüsselsheim/Detroit - Die geplanten Sondierungsgespräche des Opel-Mutterkonzerns General Motors mit Renault und Nissan lassen bei der Opel-Belegschaft die Alarmglocken schrillen. Der oberste Arbeitnehmervertreter von GM in Europa, Klaus Franz, warnte vor den Folgen einer möglichen Allianz zwischen GM, Renault und Nissan für den deutschen Autohersteller. Er befürchte, dass die Marke Opel bei einem Zusammengehen der drei Konzerne unter die Räder komme, sagte Franz. Zudem zweifeln Branchenexperten an einem Nutzen einer Riesen-Allianz.

Der GM-Verwaltungsrat stimmte Sondierungsgesprächen mit Renault und Nissan über eine mögliche Allianz zu und autorisierte das GM-Management, den Vorschlag zu prüfen. Großaktionär Kirk Kerkorian wolle einen raschen Wandel bei General Motors, wie ihn Renault-Chef Carlos Ghosn bewerkstelligen könne, erklärt der Autoexperte David Cole vom US-Zentrum für Automobilforschung in Ann Arbor. Doch stelle sich die Frage, ob dies gut für General Motors wäre.

Der richtige Weg für GM sei die Fortsetzung des Weges, den Vorstandschef Rick Wagoner eingeschlagen habe, betont Cole: Eine deutliche Senkung der Ausgaben bei gleichzeitiger Entwicklung neuer attraktiver Fahrzeuge. Auch Aktienanalyst Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz sieht unter industriellen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten kaum Argumente für eine Beteiligung.

"Von einer Kooperation von GM und Renault sind keine Riesensynergien zu erwarten", erklärt Punzet: "Beim Materialeinkauf etwa ist GM allein schon ein bedeutender Marktteilnehmer, der über gute Konditionen verfügt." Zwar könnten die drei Unternehmen eine gemeinsame Plattformstrategie entwickeln, wie dies Volkswagen für seine Konzernmarken vorgemacht hat, erklärt Punzet. Ein solcher Weg verspreche aber keine schnellen Renditen.

Auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen sieht globale Fahrzeugplattformen nicht als Allheilmittel an. Die Gefahr sei groß, dass die verschiedenen Fahrzeugmodelle einer Plattform sich untereinander Marktanteile wegschnappten. Aus Dudenhöffers Sicht bietet ein Verbund aus GM, Nissan und Renault kaum Kostenvorteile, im Gegenteil: "Sie müssen wahnsinnig viel koordinieren und das ist teuer."

Während unter technischen und industriellen Aspekten ein Einstieg von Renault und Nissan bei General Motors kaum Sinn zu machen scheint, ist eine Beteiligung aus dem Blickwinkel von Finanzprofis durchaus interessant. "Eine Beteiligung wäre für GM interessant, wenn dies über eine Kapitalerhöhung geschehen würde", erklärt Punzet: "Damit käme frisches Geld in die Kasse."

Profitieren würden auf alle Fälle die Aktionäre von General Motors, allen voran Großaktionär Kerkorian. Allein die Forderung des Milliardärs nach einem Einstieg hat den Börsenwert von GM in einer Woche von 14,8 auf 16,2 Milliarden US-Dollar hochgetrieben. Kerkorian sei daher der große Gewinner einer möglichen Beteiligung des französischen Konzerns am größten US-Autohersteller, betont Dudenhöffer. Die Mitarbeiter dagegen fürchten, zu Verlierern zu werden.

Es sei nicht auszuschließen, dass Renault eine Allianz mit GM nutzen werde, um den deutschen Konkurrenten zu schwächen, warnte Franz, der auch Opel-Gesamtbetriebsratschef ist. "Man darf das nicht unterschätzen." Sowohl Opel als auch Renault seien Volumenhersteller, die um die gleichen Kunden kämpften und unter einem hohen Preisdruck stünden. Renault verfüge bereits heute über große Kapazitäten in Osteuropa, wo derzeit auch General Motors expandiert. Dies könne den Druck auf Opel zusätzlich erhöhen.

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