HVB opfert Bilanz 2004: Sind jetzt die letzten Leichen aus dem Keller?

- München - Eine Wertberichtigung bei Immobilien-Engagements um 2,5 Milliarden Euro, der dritte Jahresverlust in Folge, die Dividende gestrichen - die nackten Fakten, die die Hypovereinsbank (HVB) zum Wochenschluss ihren Anlegern präsentierte, waren geeignet, einen Kurssturz auszulösen. Doch diese nahmen den dreifachen Schock gelassen hin.

<P>Eine Stunde lang passierte gar nichts, denn mit der Nachricht wurde an der Frankfurter Börse gegen 11.40 Uhr der Handel der HVB-Aktie ausgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt lag die Aktie deutlich im Minus. Als sie eine Stunde später wieder gehandelt wurde, machte sie einen Satz um gut fünf Prozent nach oben - auf 18,23 Euro. So gut stand sie seit knapp einem Jahr nicht mehr da. Später bröckelte der Kurs zwar wieder, doch zu keinem Zeitpunkt tauchte er in die Regionen ab, in die er vor der Nachricht abgesackt war.</P><P>Dabei waren die außerbörslichen Kurse noch kurz vor Wiederaufnahme des Handels im Minus gelegen. Die Münchener Rück, mit 18,34 Prozent größter Aktionär der HVB, senkte deshalb die eigene Gewinnprognose von 1,8 bis 2,0 Milliarden Euro auf 1,7 bis 1,9 Milliarden ab. Dann plötzlich schoss der Kurs in die Höhe. </P><P>Was war passiert? In den Augen der Börsianer offenbar ein Befreiungsschlag:</P>Die HVB will ihre gesamten risikobehafteten alten Immobilienengagements bündeln. Diese werden in einem Segment "Real Estate Restructuring" zusammengefasst. Ziel ist es, die Engagements und damit die Risiken so schnell wie möglich loszuwerden. Das bedeutet verkaufen.Dies funktioniert wegen der Risiken nur mit Preisabschlag. Das gesamte Volumen in Höhe von 15 Milliarden Euro wird mit der Sonderwertberichtigung von 2,5 Milliarden Euro abgesichert. Diese belastet die Bilanz für 2004.<P>"Es werden nicht alle Kredite auf Null abgeschrieben", sagte HVB-Sprecher Knut Hansen gegenüber unserer Zeitung. Immerhin seien nicht nur die "Abwicklungsfälle" sondern auch die nicht hoffnungslosen Sanierungsfälle sowie auch die Kredite, die auf der "Watchlist" stehen, in dem neuen Geschäftsfeld gebündelt worden.</P><P>Die überraschend verkündete "Neuausrichtung" ist nicht der erste Coup dieser Art. Bereits als die Gewerbeimmobilientochter Hypo Real Estate ausgegliedert und an die Börse gebracht wurde, waren im Paket faule Immobilienkredite enthalten. Ein Börsengang kommt diesmal nicht in Frage. Denn mit dem Abbau schwindet die Substanz des neuen Geschäftsfelds. Zuständig dafür ist das neue HVB-Vorstandsmitglied Johann Berger.</P><P>Zu den Wertberichtigungen will die Bank auch 250 Millionen Euro für ein "Effizienzsteigerungsprogramm" zurückstellen. Denn dies alles drückt die positiven Quartalszahlen 2004, die sich auf einige hundert Millionen Euro summieren, tief in den roten Bereich.</P><P>Dafür, so das Kalkül, sieht es für die Zukunft besser aus. Allein für 2005 rechnet die Bank damit, die geplante Risikovorsorge von 1,9 auf 1,3 Milliarden Euro senken zu können. "Die HVB-Group kann ihre Ressourcen voll auf ihr profitables Kerngeschäft konzentrieren", sagte Vorstandssprecher Dieter Rampl.</P><P>Von einer "strategischen Entscheidung" sprach Helmut Hipper, Fondsmanager bei Union Investment. Andere sehen die Vorbereitung einer Fusion. "Da werden die letzten Leichen aus dem Keller geräumt", so ein Börsianer. Macht sich eine Braut für die Hochzeit schön? Die HVB schweigt offiziell. "Hässlicher sind wir bestimmt nicht geworden", sagt ein Mitarbeiter.</P>

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