Original gegen Original: Verwirrung im Ersatzteilgeschäft

- Bislang galt bei Autoreparaturen ein Prinzip: Sollte der Wagen optimal und ohne große Rücksicht auf die Kosten in Stand gesetzt werden, wurde mit Originalteilen gearbeitet - also den von den Autoherstellern angebotenen Teilen. Sollte es billiger werden, wurden Ersatzteile anderer Produzenten genutzt. Nun sieht es anders aus. Die meist teurere Variante heißt weiterhin Originalteil, die billigere heißt: Originalteil.

<P>Denn jetzt dürfen laut dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) auch bestimmte Teile von Zulieferfirmen die Bezeichnung tragen. Hintergrund ist eine neue europäische Regelung, die Gruppenfreistellungsverordnung (GVO). Mit ihr kam zum 1. Oktober eine Reihe von Neuerungen in das Geschäft rund ums Auto. Geregelt sei darin unter anderem, dass Autohändler Fahrzeuge mehrerer Marken verkaufen dürfen, so Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center of Automotive Research (CAR) an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Und es ist auch geregelt, dass Zulieferer einige Produkte als Originalteile verkaufen dürfen. <BR><BR>Umgekehrt können Werkstätten nun auch Originalteile vom Zulieferer beziehen. "Ausnahmen sind Rückrufaktionen und Garantiefälle", sagt Ulrich May, Jurist beim ADAC.<BR><BR>Was die Regelung offensichtlich macht, ist prinzipiell nicht neu - dass nämlich ein Produkt eines Zulieferers ein mit dem Original identisches Teil sein kann. "Die Autohersteller fertigen heute nur noch etwa 20 Prozent der Teile eines Fahrzeugs selbst", weiß May. Den Rest liefern Fremdfirmen. Der Autohersteller verkauft oder verbaut diese dann als Originalteil. Laut Dudenhöffer dürfen die Zulieferer nun jene Teile selbst als Original verkaufen.<BR><BR>Für die Werkstatt-Kunden könnte die Neuerung eine Kostenersparnis bedeuten. ZDK-Sprecher Helmut Blümer geht von etwa 30 bis 70 Prozent aus, die bei den Originalteilen der Hersteller aufgeschlagen werden.<BR><BR>Noch brauchen sich die Hersteller aber offenbar nicht um ihre Einnahmequelle zu sorgen. "Der Kunde fragt nach wie vor nicht nach den Originalteilen vom Zulieferer", sagt Blümer. Auch in den Werkstätten gebe es noch Unsicherheiten. Hinzu kommt, dass die Zulieferer ihre neue Geschäftschance noch nicht beim Schopf gepackt haben. Laut Dudenhöffer gibt es noch keine Hinweise, dass sie das neue Marktpotenzial ausloten.<BR><BR>Die Stellungnahmen der Firmen selbst zu diesem Thema sind zudem recht zurückhaltend. "Bosch hält an der bewährten Strategie fest, nicht die Werkstätten, sondern den Großhandel und die Zentralen der Kfz-Hersteller zu beliefern", lautet ein Auszug aus der offiziellen Stellungnahme der Robert Bosch GmbH. Sicher ist, dass die Zulieferer sich in einer Zwickmühle befinden: Sie liefern ihre Produkte an Autohersteller, die mit Teileverkauf Geld verdienen - die Zulieferer würden ihren Kunden unter Umständen einen Teil des Marktes wegnehmen. "Ich will nicht ausschließen, dass in diesem Zusammenhang eine gewisse Marktmacht ausgeübt wird", sagt Blümer.<BR><BR>Bei den Autoherstellern sieht man offiziell kein Problem mit Originalteilen vom Zulieferer. So weist BMW in München mit großen Anzeigenkampagnen zwar auf die Vorzüge der Werks-Originalteile hin, will dies aber nicht als ausschließlichen Verkaufsanreiz für eigene Teile verstanden wissen.<BR><BR>Fachleute gehen davon aus, dass die Lage sich entspannen wird. Bis die Originalteile vom Zulieferer aber selbstverständlicher zum Einsatz kommen, rät Blümer beim Werkstattbesuch: "Fragen, fragen, fragen." <BR></P><P> </P><P> </P><P> </P><P> </P><P> </P>

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