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In der Osram-Zentrale in München und an anderen deutschen Standorten werden weitere 400 Arbeitsplätze gestrichen. Weltweit sollen es sogar 4700 Stellen sein. Auch Siemens kommt die Trennung von Osram teuer. Statt der von einem Börsengang erhofften Milliarden bekommt der Mutterkonzern – nichts. Zuvor hatte man via Kapitalerhöhung 700 Millionen Euro in die Lichttochter gesteckt.

Abspaltung von Siemens

Bei Osram fallen erneut hunderte Stellen weg

München - Siemens wollte Osram in die unternehmerische Freiheit entlassen – und sich so nötige Investitionen in die Lichttochter ersparen. Doch der Plan ging nicht auf. Die zähe Trennung kostet Siemens viel Geld – und tausende Arbeitsplätze weltweit.

Über den vor seiner Abspaltung von Siemens stehenden Lichtkonzern Osram schwappt eine neue Abbauwelle. In Vorbereitung auf den Börsengang 2013 haben die Münchner weiteren massiven Stellenabbau von global 4700 Arbeitsplätzen bis 2014 angekündigt. „Wir gehen konsequent den Weg des Firmenumbaus und schreiten dabei in das digitale Lichtzeitalter voran“, begründete Konzernchef Wolfgang Dehen den Kahlschlag. Betroffen seien vor allem Standorte im Ausland. In Deutschland würden weitere 400 Stellen gestrichen. Das setzt auf den schon angekündigten Abbau von 1000 Arbeitsplätzen in Deutschland auf, der bislang zu knapp einem Drittel umgesetzt ist. Insgesamt wurden 2012 bislang knapp 2000 auf noch weltweit 39 000 Stellen gestrichen.

Wie viele Arbeitsplätze Osram nach Ende aller Abbauprogramme noch haben wird, ist offen, denn zugleich wird in den neuen, halbleiterbasierten Fertigungen aufgebaut. Kompensieren kann das den Stellenschwund aber nicht, stellte Dehen klar. In Deutschland beschäftigt Osram noch rund 10 000 Leute. Von der neuen Abbaurunde betroffen sind vor allem die Standorte Berlin, Wipperfürth nahe Köln und die Zentrale in München. Trennen will sich Osram vom nicht mehr benötigten Personal mit Ausnahme von Deutschland vor allem über Werksverkäufe. Veräußert werden sollen Fabriken, wo auf Basis traditioneller Glühbirnentechnologie produziert wird. Wer solche Auslauffertigung im global rasant zu Leuchtdioden (LED) schwenkenden Lichtmarkt kaufen soll, ließ Dehen offen.

Die Radikalkur ist nötig, weil Osram seine Ertragskraft wieder herstellen muss, räumte der Konzernchef ein. Wie es um die Profitabilität im Detail bestellt ist, bleibt noch eine Woche geheim, bis Siemens kommenden Freitag den Abspaltungsbericht für seine ungeliebte Lichttochter präsentiert. Inklusive der jetzt anfallenden Umbaukosten von rund einer halben Milliarde Euro könnte Osram in die roten Zahlen gerutscht sein. Im Geschäftsjahr 2010/11 (zum 30. September) wurden bei rund fünf Milliarden Euro Umsatz operativ noch 440 Millionen Euro Gewinn erzielt. Das sei aber „deutlich weniger geworden“, wie zu hören ist.

Von den Stellenstreichungen erwartet sich Osram bis 2015 eine Ersparnis von einer Milliarde Euro. Wie viel davon per annum als anhaltender Kosteneffekt bleibt, ist offen, weil Osram zugleich in neue LED-Technologie investieren muss. Das dürfte insgesamt in den Milliardenbereich gehen.

Dieser hohe Aufwand ist auch der Grund, warum sich Siemens größtenteils von Osram trennt und künftig nur noch mit knapp 20 Prozent beteiligt bleibt. Den großen Rest der Aktien der künftigen Osram Licht AG will der Mutterkonzern seinen eigenen Aktionären ins Depot buchen lassen, nachdem ein regulärer Börsengang gescheitert ist.

Dazu müssen im Januar zur Siemens-Hauptversammlung drei Viertel der Aktionäre zustimmen. Klappt das, könnte Osram im April im M-Dax notieren. Gibt es Widersprüche und Aktionärsklagen, dürfte sich die Notierung um einige Monate verzögern, sagen Experten.

Bei der Abspaltung geht Siemens leer aus

Welchen Wert Siemens seiner scheidenden Tochter zuordnet, wird ebenfalls erst nächsten Freitag enthüllt. Hinter den Kulissen ist von einer Dimension bei etwa 2,5 Milliarden Euro die Rede. Vor Jahresfrist, als es noch Pläne für einen regulären Börsengang gab, hatte Siemens einmal kurzfristig mit einem Wert von bis zu acht Milliarden Euro spekuliert. Beim jetzt geplanten Spin-Off geht Siemens komplett leer aus.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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