Ab in den Osten: Bayerische Firmen zieht es ins Ausland

- München - Ein Jahr nach der EU-Osterweiterung wollen viele bayerische Mittelständler weitere Produktionsteile ins Ausland verlagern. 20 Prozent der Betriebe planen derzeit die Verlagerung von Fertigungsstätten oder den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten im Ausland, ergab eine Umfrage des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young. Damit ist der Druck im Freistaat etwas größer als im Bundesdurchschnitt. Deutschlandweit wollen 19 Prozent der Betriebe Produktionsstätten im Ausland aufbauen.

<P class=MsoNormal>Die Expansion der deutschen Wirtschaft ins Ausland bringt der heimischen Industrie aber nicht nur Nachteile. So hat die Osterweiterung der Europäischen Union die Wachstums-Chancen deutscher Unternehmen in den Beitrittsländern einer Studie zufolge deutlich erhöht. Davon profitiere auch der Produktionsstandort Deutschland, berichtete die Nürnberger Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödl & Partner. Sie hatte 325 Unternehmer zu ihren Erfahrungen ein Jahr nach der EU-Osterweiterung befragt. "Die Auslandsinvestitionen sichern den Erfolg der Unternehmen und schaffen damit Arbeitsplätze in Deutschland", sagte die Leiterin des Auslandsgeschäfts, Monika Kastl. Die bedeutendsten Märkte deutscher Investoren befinden sich der Studie zufolge in Polen, Tschechien und Ungarn.</P><P class=MsoNormal>Für die bayerischen Unternehmen hat die EU-Osterweiterung nach Angaben der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft nur wenige Veränderungen gebracht, da die Firmen bereits seit etwa zehn Jahren teils intensive Geschäftsbeziehungen in diese Länder unterhielten. Der Exportzuwachs aus dem Freistaat in die Beitrittsländer sei daher mit 4,5 Prozent im vergangenen Jahr verglichen mit dem deutschen Plus von gut zehn Prozent relativ gering ausgefallen, sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt.</P><P class=MsoNormal>Nicht alle Unternehmen machen im Ausland gute Erfahrungen. Es sei eine Rückkehr von etwa einem Zehntel der deutschen Unternehmen zu beobachten, bei denen sich der erhoffte Erfolg bei Verlagerungen nicht eingestellt habe. Grund seien unter anderem unterschätzte Kosten für die Logistik und der Mangel an qualifizierten Arbeitnehmern vor Ort. Auch im Grenzgebiet haben die Industrie- und Handelskammern einen Rückzug der Firmen registriert. Mehrere Unternehmen aus Ostbayern wie beispielsweise das Regensburger Unternehmen Fiedler haben ihre Niederlassungen in Mittel- und Osteuropa wieder geschlossen. Insgesamt seien bereits fünf ostbayerische Firmen wieder heimgekehrt, berichten die Industrie- und Handelskammern.</P><P class=MsoNormal>Fiedler hatte zum Jahreswechsel seine tschechische Fertigung zurück in die Oberpfalz geholt. Trotz geringerer Lohnkosten und guter Qualität hatte sich die Verlagerung für die Firma nicht rentiert. Erst vor vier Jahren war der Spezialist für Siebkörbe für die Papier- und Zellstoffindustrie, der zur österreichischen Andritz AG gehört, nach Pilsen gegangen.</P>

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