Osteuropäische Fliesenleger drängen auf den Münchner Markt

- München - Warum einen einheimischen Fliesenleger beauftragen, der 42 Euro pro Stunde berechnet, wenn ein osteuropäischer Arbeiter nur fünf bis zehn Euro pro Stunde verlangt? Gerade in Zeiten, in denen die Bürger jeden Euro zweimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben, geht dieser Konkurrenzdruck oft zu Lasten des heimischen Handwerks. Das belegt eine Bilanz der Handwerkskammer mit deutlichen Zahlen.

<P class=MsoNormal>Das Münchner und oberbayerische Handwerk erwartet auch in diesem Jahr einen stagnierenden Umsatz, leicht rückläufige Investitionen und einen weiteren Rückgang der Beschäftigungszahlen um 1,5 Prozent.</P><P class=MsoNormal>Ein Grund für die getrübte Prognose sind die Folgen der EU-Osterweiterung: Während es bei Berufen, die nach wie vor die Meistervoraussetzung haben, vom 1. Mai 2004 bis 30. April 2005 nur 0,5 Prozent mehr Betriebe gab, registrierte die Handwerkskammer bei den zulassungsfreien Handwerken einen Zuwachs von deutlichen 45 Prozent (plus 2790 auf insgesamt 9000). Das sind vor allem Osteuropäer, die sich als Fliesen- oder Parkettleger selbstständig gemacht haben.</P><P class=MsoNormal>Besonders eindrucksvoll ist der Anstieg bei den Gebäudereinigern: Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Zahl der Betriebe um stolze 166 Prozent. "Um unsere Probleme zu verdeutlichen: Gleichzeitig ist die Zahl der Beschäftigten im oberbayerischen Handwerk um 1,4 Prozent (etwa 4000) zurückgegangen", sorgt sich Heinrich Traublinger, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern. "Etliche Unternehmer haben uns berichtet, dass sie bereits Entlassungen vornehmen mussten."</P><P class=MsoNormal>In Ballungsräumen wie München sind die Zahlen noch deutlicher: Die Gebäudereinigerbetriebe haben seit der EU-Osterweiterung in der Landeshauptstadt um 208 Prozent zugenommen, bei den Fliesenlegern um gar 307 Prozent. Von diesen Neugründungen sind über die Hälfte ausländische Betriebe (davon 45 Prozent Polen).</P><P class=MsoNormal>"Es kommt sogar vor, dass 22 Betriebe an der gleichen Adresse gemeldet sind", berichtet Traublinger. "Da hat man fast den Eindruck, das findet organisiert statt." Zudem liege der Verdacht nahe, dass die Arbeiter unselbstständig auf dem Bau tätig sind. "Damit sind sie Scheinselbstständige, also illegal tätig", ärgert sich der Handwerkskammerpräsident.</P><P class=MsoNormal>Die Tür geöffnet hat solchen Handwerkern der EU-Erweiterungsvertrag, der für die so genannte Arbeitnehmerfreizügigkeit eine Übergangsfrist von bis zu sieben Jahren vorsieht. Die Niederlassungsfreiheit hingegen ist sofort wirksam geworden. Menschen aus den Beitrittsländern können sich dadurch in Deutschland ganz legal selbstständig machen. "De facto sind sie aber nur für einen Auftraggeber tätig und damit Arbeitnehmer."</P><P class=MsoNormal>Besonders beliebt sind dabei Gewerbe, die seit 1. Januar 2004 vom Meisterzwang befreit sind und für die somit kein Qualifikationsnachweis vorgelegt werden muss. Deswegen drohe ein Abbau des Leistungsniveaus. Um dem entgegenzuwirken, fordert Traublinger unter anderem, wieder eine Mindestqualifikation - etwa die Gesellenprüfung - einzuführen.</P>

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