Palastrevolte gegen Piech im Aufsichtsrat

- Wolfsburg - VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gilt als gewiefter Strippenzieher: Mit dem milliardenschweren Einstieg von Porsche bei Volkswagen will er die Unabhängigkeit von Europas größtem Autobauer auf Dauer sichern. In der Branche hat der Coup Bewunderung ausgelöst, auch die Börse sieht den Deal nach anfänglichen Zweifeln inzwischen positiv. Porsche hat sich bereits 18,5 Prozent der VW-Stammaktien gesichert. Doch der Porsche-Enkel hat in Wolfsburg nicht nur Freunde. Hinter den Kulissen sollen Piëch-Gegner im Aufsichtsrat nun angeblich den Plan schmieden, den 68-Jährigen, der von 1993 bis 2002 VW-Vorstandschef war, in der Sitzung des Gremiums am Montag zu kippen. Ihnen soll seine Machtfülle nicht mehr geheuer sein.

Pich dominiert als Großaktionär mit seiner Familie den Porsche-Konzern und ist als VW-Großhändler in Salzburg gleichzeitig Geschäftspartner der Wolfsburger. Neu ist die Kritik allerdings nicht. Aus dem Umfeld von Pich heißt es, er habe in den Vorjahren bei Entscheidungen über die Kooperation mit Porsche (Cayenne) oder zu Vertriebsthemen stets den Raum verlassen. Porsche wiederum hat sich in einem Gutachten versichern lassen, dass Pichs Doppelfunktion nicht die Grundsätze einer transparenten Konzernführung verletzt.

Doch die Gegner Pichs wittern ihre Chance. "Pich kann nicht weiter Aufsichtsratsvorsitzender bleiben", zitierte die "Financial Times" ein VW-Aufsichtsratsmitglied.

Beobachtern zufolge gilt Pich vielen als Symbol jener VW-Ära gesehen, in der die Verfilzung von Konzern und Betriebsrat skandalöse Züge angenommen habe. Auch wird Pië¨ch angelastet, dass er VW in die Ober- und Luxusklasse zwang und damit Milliarden vernichtete.

Der "Financial Times" zufolge könnten bei der Aufsichtsratssitzung zum Porsche-Einstieg am Montag fünf der zehn Aufsichtsräte der Arbeitgeberseite einen "Putschversuch" gegen Pië¨ch wagen. In Unternehmenskreisen wird jedoch die Überzeugung vertreten, es gebe keine echte Erfolgschance für eine Palastrevolte gegen Piech. Dieser habe den Rückhalt der Arbeitnehmerseite, die ebenfalls 10 Sitze im Aufsichtsrat hat.

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