Pankes Abschied zeichnet sich ab: BMW vermeidet Führungskrise

- München - Einen Seitenhieb auf den Konkurrenten VW hatte sich BMW-Chef Helmut Panke nicht verkneifen können. Eine quälende öffentliche Debatte um die Verlängerung seines Vertrags werde es bei BMW im Gegensatz zur Konkurrenz sicher nicht geben, sagte Panke im März auf der Bilanz-Pressekonferenz. Damals tobte bei Volkswagen gerade der Machtkampf um die Vertragsverlängerung für Bernd Pischetsrieder.

Bei BMW und der Quandt-Familie als Großaktionär sollen Personalien dagegen diskret geregelt werden. Doch auch bei BMW schossen bald die Spekulationen ins Kraut. Mit der für heute erwarteten Berufung von Produktionsvorstand Norbert Reithofer an die Spitze des Konzerns soll nun ein Schlussstrich gezogen werden.

Der Aufsichtsrat wolle die Entscheidung über die Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden Helmut Panke auf seiner heutigen Sitzung treffen, war aus Branchenkreisen zu erfahren. Der Vertrag von Vorstandschef Panke läuft eigentlich noch bis zum kommenden Frühjahr. In Unternehmenskreisen wird es aber für möglich gehalten, dass der Wechsel nun früher über die Bühne geht. Intern war wohl seit längerem klar, dass die Altersgrenze von 60 Jahren für Führungskräfte auch für Panke gelten soll. Er wird im August 60, sein Vertrag läuft noch bis zum Frühjahr 2007. Allerdings wollte BMW vermeiden, dass der Vorstandsvorsitzende in seinem letzten Jahr zur "lame duck" (lahmen Ente) wird und die Nachfolgediskussion zu früh einsetzt. Daher war eine Verlängerung des Vertrags im Gespräch. "Man wollte natürlich eine Lähmung des Unternehmens vermeiden", sagt ein intimer Kenner des Unternehmens.

Laut Branchenkreisen soll der Aufsichtsrat eine umfassende Neuordnung des Vorstands beschließen. Ausscheiden soll voraussichtlich auch Entwicklungsvorstand Burkhard Göschel, dessen Vertrag - entgegen der 60er-Regel - noch einmal verlängert worden war. Als neuer Entwicklungschef sei Klaus Dräger vorgesehen, der bisher für die 5er- und die 7er-Reihe zuständig war. Neuer Produktionsvorstand in der Nachfolge Reithofers solle Peter Arndt werden, der derzeit das Werk Dingolfing leitet.

Auch der 50-jährige Norbert Reithofer wusste wohl in den vergangenen Tagen schon, dass das Rennen um die Nachfolge Pankes auf ihn zuläuft. "Wenn eine Regel da ist, sollte man sich daran halten", sprach er sich ungewohnt offen für die Altersgrenze aus. Der Produktionsexperte ist bei den Eigentümern des Unternehmens ebenso hoch anerkannt wie bei den Beschäftigten und an den Finanzmärkten. "Er ist von den möglichen Kandidaten der geeignetste", sagte ein Analyst.

Das Nachsehen hat damit Finanzvorstand Stefan Krause. Auch er hätte sich den Job zugetraut und galt als einer der Nachfolgekandidaten. Im Umfeld des Unternehmens wird allerdings darauf hingewiesen, dass er mit seinen 43 Jahren noch jünger ist als Reithofer. Zudem sei die Produktion heutzutage entscheidender für einen Autobauer.

Mit bisher gut vier Jahren Amtszeit war Panke ein Mann des Übergangs. Diese Zeit war aber ausgesprochen erfolgreich. Panke will sich mit einem Rekordgewinn verabschieden. Auch ansonsten ist dem scheidenden Chef nicht bange vor dem Abschied. "Ich werde nicht am nächsten Tag im Bett liegen und denken: ,Oh Gott, was mache ich jetzt?’"

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