Pannen auf dem Weg zur Börse: Die Angst vor dem Google-Effekt

- München - Die Internet-Suchmaschine Google findet 220 000 Treffer für das Stichwort "Börsengang" und 310 000 für "Pannen". Patzer vor der Erstnotiz galten bislang als deutsches Phänomen. Der Börsengang von Google, der vom Ereignis des Jahres zum Problemfall schrumpfte, könnte an den Märkten weltweit als negatives Signal gesehen werden.

<P>Mit X-Fab fing es an. Der Halbleiter-Hersteller wollte im März das erste Unternehmen nach eineinhalb Jahren sein, das in Deutschland an die Börse geht. Bis zum heutigen Tag ist daraus nichts geworden. Kurz bevor es ernst wurde, sagte X-Fab den Börsengang ab. Wenig später erging es Siltronic ebenso. Und auch die Autowerkstattkette ATU verweigerte den Sprung aufs Parkett. Die Postbank schaffte es an die Börse, aber nur mit Hängen und Würgen. Der Emissionspreis wurde gesenkt, das Volumen eingeschränkt und der Börsengang um zwei Tage hinausgezögert. Damals schien es, als sei nur der deutsche Markt mit Börsengängen überfordert. Doch mit Google zeigten sich jetzt auch in den USA erhebliche Schwächen.</P><P>Mit einer Versteigerung der Aktien über das Internet wollten die Google-Chefs Maßstäbe setzen. War es bislang Investmentbanken vorbehalten, Kaufgebote anzunehmen und die Aktien - womöglich unter Bevorzugung guter Kunden - zu verteilen, sollte diesmal jeder im Internet mitbieten können. Doch plötzlich war von möglichen Verstößen gegen das US-Wertpapiergesetz die Rede. Ein Interview der Google-Gründer im "Playboy" wurde kurz vor dem Börsengang veröffentlicht, was Schweigepflichten widersprach. Und die Nachfrage nach den Aktien brach - angesichts öffentlicher Kritik an der geplanten Preisspanne - offenbar ein. Statt zu einem Preis von bis zu 135 Dollar wurde die Aktie gestern für 85 Dollar ausgegeben. Der Börsenwert des Unternehmens ist mit 23 Milliarden Dollar zwar fast so hoch wie der des größten Autoherstellers der Welt, General Motors. Doch er liegt mehr als ein Drittel niedriger, als es sich die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin gewünscht hatten. Und statt über 25 Millionen Aktien wurden weniger als 20 Millionen verkauft.</P><P>Fast zeitgleich mit der Startfreigabe für Google durch die US-Börsenaufsicht SEC verkündete das Software-Unternehmen Lindows, seinen Börsengang zu verschieben - wegen der gegenwärtig nachteiligen Marktkonditionen, wie es hieß. Google galt bei Bekanntwerden der Börsenpläne im Frühjahr als Selbstläufer. Ähnlich wie die Postbank in Deutschland sollte Google weltweit Eisbrecher sein, der Privatanleger an die Börse zieht und insbesondere das allgemeine Interesse an Hightech-Werten stärkt. Mancher sah durch die Google-Aktie einen neuen Internet-Boom entstehen.</P><P>Der große Durchbruch gelang nicht. Die Branche kämpft derzeit mit nachlassender Sympathie der Anleger. Der Kurs des Internet-Portals Yahoo, das bei der Bewertung der Google-Aktie als Maßstab galt, ist seit Anfang Juli über 20 Prozent gefallen, der MSCI-Index für Internet-Werte hat fast ebenso viel verloren.</P>

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