Panzerarmband und rollende Edelsteine

- München - Die Idee für jedes Schmuckstück, das im Schaufenster des Königlich Bayerischen Hofgoldschmieds Heiden ausgestellt ist, stammt entweder vom heutigen Firmenchef Maximilian Heiden oder aber von einem seiner Vorfahren. "Es gibt die Klassiker wie Panzerarmbänder, die müssen nicht mehr neu entworfen werden", erklärt der Goldschmiedemeister und Gemmologe. Obwohl es für den 40-Jährigen in der fünften Generation sicherlich schwieriger ist, ähnliche Erfolge zu entwerfen, ist ihm das geglückt: Aus einem Kundenauftrag heraus entstand die so genannte Kollektion Rolling Stones, bei der Edelsteine frei beweglich um Handgelenk oder Finger laufen und bei jeder Bewegung das typische Geräusch erzeugen.

Die Kollektion hat sich Heiden patentieren lassen, die gleichnamigen Rockstars haben ihm für den Namen sogar persönlich ihren Segen gegeben und Erfolg gewünscht. Mittlerweile kommen immer häufiger Kunden in das Geschäft, das erst kürzlich vom Promenadeplatz in die Schrammerstraße gezogen ist, und fragen gezielt danach.

Begonnen hatte alles im Jahr 1831 mit dem Modelleur, Graveur und Ziseleur Theodor Heiden. Seine Söhne, Theodor und Max, waren beide Gold- und Silberschmiedemeister. Theodor erhielt vom Bayerischen Königshaus 1888 den Titel "Königlich Bayerischer Hofgoldschmied".

Der heutige Firmenchef Maximilian Heiden hat mit 16 Jahren die Ausbildung bei seinem Vater Albrecht begonnen - seitdem ist er im Geschäft. Lange Jahre arbeitete er mit ihm gemeinsam, er als Kommanditist, der Vater als Komplementär der Kommanditgesellschaft. Vor fünf Jahren zog dieser sich, mittlerweile 70 Jahre alt, aus gesundheitlichen Gründen aus dem Geschäftsleben zurück. Seitdem haben sich die Rollen in der KG vertauscht.

Auch die zwei Geschwister des Juweliers, Stephanie und Christoph, die sich mittlerweile anderweitig orientiert haben, haben das Goldschmiedehandwerk erlernt. Ein Zufall? Heiden grinst und zitiert daraufhin seinen Vater: "Meine Kinder haben alle freie Berufswahl, solange es Goldschmied ist." Er selbst möchte seinem einjährigen Sohn später alle Wege offen lassen: "Wenn er sich für das Goldschmiedehandwerk interessiert, freut mich das sehr, aber wenn nicht, ist es auch gut."

Der Schmuck, dessen Entwürfe mit feinstem Bleistift gezeichnet werden, ist nur ein Teil des Traditionsunternehmens: Beim Hofjuwelier kann man hochwertige Souvenirs kaufen, beispielsweise die Bavaria nach einem Entwurf des Hofgoldschmieds Theodor Heiden, oder aber die Justitia und viele Schlüsselanhänger. Vor allem aber für seine Amtsketten ist das Haus weit über die Grenzen der Stadt bekannt: "Die Münchner Oberbürgermeisterkette sowie die Stadtratsketten wurden von Mitgliedern der Familie entworfen, heute dürften etwa 50 Gemeinden im Umland Bürgermeisterketten aus unserem Haus haben", schätzt Heiden. Sein Großvater sei früher viel mit dem Radl unterwegs gewesen und habe sie angeboten. Mittlerweile hat Maximilian Heiden Anfragen von Gemeinden im gesamten süddeutschen Raum. "Eine solche Kette kann man nicht einfach so entwerfen", sagt er. "Dafür braucht es schon Erfahrung. Neben heraldischem Wissen ist es nötig, sich mit der Historie der Gemeinde auseinander zu setzen und sie mit einzubringen."

Über Finanzen spricht Heiden nicht, er sagt nur so viel: "Man ist als Mittelständler immer auf eine gute Hausbank angewiesen." Dazu kommt, dass der Materialkauf in seiner Branche ganz besonders kostenintensiv ist. Neun Mitarbeiter beschäftigt er, sieben davon setzen in der Nymphenburger Werkstatt als Gold- und Silberschmiedemeister sowie Fassermeister und Gemmologin Heidens Ideen um. Er selbst macht das eigentlich nicht mehr. Nur noch einmal im Jahr benutzt der Juwelier ausnahmsweise sein Handwerkszeug. Am 24. Dezember verschwindet er nachmittags in seine Werkstatt und dann kann man es klopfen hören.

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