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Ein Waldarbeiter sägt einen Baum im Regenwald des Amazonas um (Archivbild).

Nach WWF-Protest

Tropenholz: Verlage geloben Besserung

Hamburg - Deutsche Kinderbuchverlage lassen ihre Bücher vielfach auf Papier aus Tropenholz von bedrohten Regenwäldern Asiens drucken. Das soll sich in Zukunft ändern.

Dem Dudenverlag ist die mutmaßliche Herstellung von Papier aus Tropenholz für die Produktion eines Kinderbuchs unangenehm. Sie bedauerten es außerordentlich, wenn trotz aller Vorkehrungen Tropenholz für das Buch „Schau doch mal - Die Tierkinder“ verwendet worden sei, sagte der Leiter des Produktionsservice des Bibliographischen Instituts, Tobias Kaase, auf dapd-Anfrage. Der Duden gehört zum Bibliographischen Institut, das wiederum Teil der Cornelsen Gruppe ist.

Kaase erläuterte, dass das Bibliographische Institut auf zertifizierte Produkte zurückgreife. Diese Nachweise schlössen eigentlich aus, dass Holz aus umstrittenen Quellen verwendet werde. Nun werde der Verlag auf seine Dienstleister zugehen und Qualitätsstandards erneut überprüfen.

Die Umweltorganisation WWF hält zahlreichen Verlagen vor, für die Herstellung ihrer Kinderbücher die Abholzung des Regenwaldes in Südostasien voranzutreiben. Die Verlage verwendeten Papier aus Tropenholz „in erschreckendem Umfang“, weil sie oft billig in China produzieren ließen, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf eine Studie der Umweltorganisation WWF (World Wide Fund For Nature). Der WWF bestätigte die Angaben auf dapd-Anfrage.

Verlage knöpfen sich ihre Geschäftspartner vor

Der Coppenrath-Verlag aus Münster kündigte an, von all seinen Zulieferern künftig den Nachweis des FSC-Siegels für nachhaltiges Forstwirtschaften zu fordern. Allein in sechs Büchern aus dem Hause Coppenrath wurde Papier nachgewiesen, das wahrscheinlich mit Material aus tropischen Naturwäldern hergestellt wurde. Verlagssprecher Tomas Rensing sagte, offenbar sei Altpapier für die Kinderbücher verwendet worden, das ursprünglich aus Tropenholz hergestellt wurde.

Künftig wolle Coppenrath nur noch Papier mit dem FSC-Siegel verwenden. Die Umstellung darauf dauere aber Monate, sagte Rensing. Deshalb würden auch im kommenden Jahr noch neue in Asien produzierte Bücher auf den Markt kommen, bei denen die genaue Herkunft des Papiers möglicherweise nicht ganz klar ist.

Schon vor Jahren wies der WWF auf den Raubbau hin

Der WWF hingegen zeigte sich skeptisch, ob die Mahnungen diesmal Wirkung finden würden. Bereits 2009 hatten die Umweltschützer einen solchen Test bei Kinderbüchern durchgeführt. Einige Firmen hätten ihre Produktion umgestellt, bei anderen sei die Kritik auf taube Ohren gestoßen. Darum stellten die Tester bei 79 Stichproben fest, dass für fast jedes dritte Buch erhebliche Mengen Tropenholz verwendet wurden. So sei etwa auch Holz aus Regenwäldern im Buchdeckel von „Gott hat mich lieb - Gebete für die Kleinsten“ aus dem Herder Verlag enthalten.

Von der umstrittenen Herkunft des Papiers aus Fernost war die deutsche Papierbranche wenig verwundert. „China bezieht einen Teil seines Importzellstoffs aus Indonesien, wo zum Teil Primärwälder abgeholzt werden“, sagte der Sprecher des Verbandes Deutscher Papierfabriken, Gregor Andreas Geiger, der dapd. Deutsche Hersteller forderten für Papierprodukte weltweit eine Zertifizierung. Sie bezögen ihren Zellstoff „nicht aus Raubbau oder illegalem Einschlag“. Für 100 Tonnen in Deutschland produziertem Papier würden 71 Tonnen Altpapier eingesetzt.

dapd

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