Paradies mit Nebenwirkungen

- München - Deutschland ist auf Genesungskurs - das verheißt zumindest eine neue Studie zum Unternehmensstandort. Im Jahr 2010, so die vollmundige Versprechung, könne die Bundesrepublik in die Spitzengruppe der europäischen Regionen vordringen. Der Wiederaufstieg ist aber an Reformen geknüpft: etwa die flächendeckende Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und die Senkung der Unternehmenssteuern von 38,7 auf 25 Prozent. Paradies mit Nebenwirkungen sozusagen.

"Das Land ist auf dem richtigen Weg", urteilt Michael Frenkel, Professor an der privaten Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung, die die Studie mit der Standortberatung Contor für das "Manager-Magazin" erstellte. "Jetzt kommt es darauf an, dass wir ihn konsequent weitergehen." Dank sinkender Lohnstückkosten - dem Verhältnis der Lohnkosten zur Produktivität der Beschäftigten - mache Deutschland derzeit Boden gut und könne 2010 im EU-Vergleich weit oben stehen. Das Abschneiden der Bundesrepublik zum jetzigen Zeitpunkt ist dürftig. Nur Griechenland und Italien sind noch schlechter.

Die Experten hatten aus dem Blick eines Investors nach einem Standort für technologisch anspruchsvolle Produkte gesucht. Beim Vergleich der 1207 EU-Regionen sind die derzeit besten Tallinn (Estland) und Dublin (Irland). Für das Jahr 2005 ist die beste deutsche Wirtschaftszone erst auf Rang 368 zu finden: Bremen.

Doch glaubt man der Studie, gibt es Hoffnung: Aus Investorensicht wird sich in den kommenden fünf Jahren kein anderer EU-Staat so stark verbessern wie Deutschland - vor Ort sinken die Lohnstückkosten, während sie anderswo in Europa steigen. In dem "Szenario 2010 mit Reformen" schnellt die Hansestadt damit auf EU-Rang 65. Zum Vergleich: Ohne Reformen würde es 2010 für Bremen nur Platz 283 sein.

Im Gegensatz zu Deutschland, so die Studie, werden einige, jetzt weiter vorne liegende Staaten an Attraktivität einbüßen - etwa Großbritannien und Italien. Das Land mit den meisten Regionen in den Top 100 ist übrigens Österreich. Vier deutsche Wirtschaftszonen steigen im "Szenario 2010 mit Reformen" in die Top 100 auf: Bremen, Hamburg, Esslingen und Bremerhaven; weitere 68 finden sich unter den 200 besten Standorten.

Neben norddeutschen Großstädten, die über eine sehr gute Infrastruktur bei vergleichsweise niedrigen Kosten verfügen, stehen aber auch - trotz höherer Kosten, jedoch mit vielen hoch qualifizierten Akademikern - süddeutsche Ballungsräume um Stuttgart, Frankfurt und München weit vorne.

Freising, Erding und München sind Spitzenreiter

Und damit auch Freising (EU-Rang 116, 2010 mit Reformen), Erding (119) und die Stadt München (126). Der Aufstieg zeigt sich beim Vergleich mit den jetzigen Werten und denen für das Jahr 2010 ohne Reformen: 549 (derzeit) und 399 (2010) für Freising, 557/403 (Erding) und 576/417 (München). Dieses Trio steht auch im nationalen Vergleich an der Spitze. Gibt es in den kommenden fünf Jahren Reformen, so werden sich Freising, Erding und München laut Studie auf den Plätzen 12, 15 und 19 finden. Für heuer wurden die Ränge 18, 23 und und 34 errechnet. Die nationalen Plätze im "Szenario 2010 mit Reformen" sind für alle Landkreise eine Verbesserung: Dachau (acht Ränge nach oben), Ebersberg (17), München Landkreis (21), Fürstenfeldbruck und Starnberg (je 24), Rosenheim Stadt und Landkreis (je 25), Bad Tölz-Wolfratshausen (26), Garmisch-Partenkirchen (27), Miesbach und Weilheim-Schongau (je 28).

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