Paris-Express: Bahn will Flieger überholen

- Stuttgart/Paris -­ Zwei Hochgeschwindigkeitszüge verbinden seit Freitag erstmals Stuttgart und Frankfurt mit der französischen Hauptstadt Paris. Mit einer Verspätung von 25 Minuten traf der zur Premiere in Stuttgart gestartete französische TGV gemeinsam mit dem von Frankfurt abgefahrenen ICE am Gare de l'Est ein. Als Grund gab eine Bahnsprecherin an, der TGV habe in Straßburg Brauchwasser nachfassen müssen.

Am Bahnhof empfing die Präsidentin der französischen Bahngesellschaft SNCF, Anne-Marie Idrac, den Chef der Deutschen Bahn Hartmut Mehdorn. Dieser war an Bord des ICE nach Paris gekommen. Die Bürgermeister aller Städte mit Haltepunkten der beiden Strecken waren in den Zügen mitgereist. Bahnchef Mehdorn sagte bei einer Feier in Paris: "Wir haben eine kleine historische Tat vollbracht." Die Strecke Frankfurt­-Paris sei die Initialzündung für weitere schnelle grenzüberschreitende Verbindungen. Der ICE solle demnächst auch von Hamburg nach Kopenhagen, von München nach Wien und von Berlin nach Warschau fahren.

Mehdorn und Idrac unterzeichneten in Paris den Vertrag für ein Gemeinschaftsunternehmen beider Bahnkonzerne mit dem Namen "Alleo", um die neuen Strecken zusammen besser zu vermarkten. "Das wird uns helfen, mehr Verkehr gegen die Straße und gegen das Flugzeug zu gewinnen", sagte Mehdorn. Mit den Schnellstrecken Frankfurt-­Paris und Stuttgart­-Paris mit einer Fahrtzeit um die vier Stunden sei die Bahn nun wettbewerbsfähig geworden. Alleo sei ein Modell "für viele andere Verkehre, die wir zwischen Frankreich und Deutschland fahren können".

SNCF-Präsidentin Idrac sagte, die neue Kooperation unterstreiche das Engagement der französischen Bahn beim Aufbau des europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehrs. "Wir glauben, dass die Verbindung viele Kunden locken und zum wirtschaftlichen Erfolg beider Unternehmen beitragen wird." Den Marktanteil der Bahn auszubauen sei auch im Sinne des Umweltschutzes. Dabei könne Frankreich von Deutschland lernen.

Der planmäßige Verkehr von ICE und TGV von Frankfurt und Stuttgart nach Paris startet am 10. Juni. Die Nordroute von Frankfurt über Mannheim, Kaiserslautern und Saarbrücken wird ausschließlich vom ICE bedient. Auf der Verbindung von Stuttgart über Karlsruhe und Straßburg kommt der französische TGV zum Einsatz. Auf beiden Strecken verkürzt sich die Reisezeit dank einer Neubaustrecke in Frankreich um mehr als zwei Stunden. Von Dezember an soll es häufigere Verbindungen geben, die Fahrtzeit von Frankfurt verkürzt sich dann auf 3:49 Stunden und von Stuttgart auf 3:39 Stunden. Die Bahn rechnet auf beiden Strecken binnen weniger Jahre mit einem Anstieg der Passagierzahl um mehr als 50 Prozent auf jährlich 1,5 Millionen.

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