Pariser Regierung spricht sich von EADS-Insiderverdacht frei

Paris - Das französische Finanzministerium hat laut einer internen Untersuchung keine Insiderkenntnisse über Probleme beim Airbus A380 besessen. Die Regierung habe sich "tadellos" verhalten, erklärte Finanzministerin Christine Lagarde nach der Veröffentlichung eines internen Untersuchungsberichts.

Die Aktie des Airbus-Konzerns EADS war im Juni 2006 um mehr als ein Viertel eingebrochen, nachdem Probleme bei der A380 bekannt geworden waren. Zuvor hatten EADS-Manager und die Großaktionäre DaimlerChrysler und Lagardère Aktien mit hohen Gewinnen verkauft.

Allerdings brachte die Untersuchung zu Tage, dass die Regierung frühzeitig von den Plänen ihrer Bank CDC wissen konnte, 2,5 Prozent EADS-Anteile von Lagardère zu übernehmen. Der damalige Finanzminister Thierry Breton hatte erklärt, davon erst "aus der Presse" erfahren zu haben. Allerdings erhielt sein Ministerium bereits am 21. Februar 2006 ein Memorandum, das laut Bericht "aus dem Lagardère-Konzern zu stammend scheint", in dem die Verkaufspläne des Großaktionärs und die CDC als Käufer genannt werden. Der Berichterstatter Bertrant Schneiter nannte das Memorandum jedoch "ein Nichtereignis", weil die CDC-Pläne keinen strategischen Charakter für den Staat gehabt hätten.

Der Aufsichtsrat der CDC (Caisse des Dépôts et Consignations), in dem mehrere Staatsvertreter sitzen, wurde offiziell erst nachträglich von der Entscheidung zum Kauf der Aktien informiert. In der Pariser Öffentlichkeit wird bezweifelt, dass der Staat - der mit Lagardère im EADS-Aktionärspakt verbunden ist, die CDC für Industriepolitik nutzt und EADS als strategisch ansieht - damals nichts über das für die CDC desaströse Aktiengeschäft wusste.

Neben Lagardère hatten Ende 2005 und Anfang 2006 auch 1200 leitende Angestellte von EADS Aktien verkauft, darunter der jetzige Airbus-Chef Thomas Enders. Die Pariser Börsenaufsicht und die Staatsanwaltschaft ermitteln deshalb wegen des Verdachts der Insiderdelikte. Die juristische Aufarbeitung könne noch ein bis zwei Jahre dauern, sagte Enders am Rande einer Technologieveranstaltung in Berlin der "Financial Times Deutschland" (Freitag). Die Vorwürfe belasteten den Ruf des Unternehmens. Es sei "der Eindruck entstanden, "als würde das Unternehmen von Kriminellen geführt. Das ist unerträglich"." Er lasse konkret prüfen, "welche Schritte unternommen werden können". (dpa)

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