Das Parkett lockt auch 2007: Bis zu 100 Börsengänge erwartet

- München -­ Die deutschen Unternehmen trauen sich wieder aufs Parkett. Nachdem bereits 2006 deutlich mehr Gesellschaften erstmals Aktien platziert haben als in den Jahren zuvor, wird der Boom bei den Börsengängen auch 2007 nicht nachlassen. Doch schon jetzt ist klar, dass wieder der ein oder andere Neuling eine Bauchlandung hinlegen wird.

Bleiben Schocks wie größere Kriege und Terroranschläge aus, wird der Kurszettel an den deutschen Börsen in den nächsten Monaten erneut ein Stück länger. Da sind sich die Experten einig. Viele erwarten sogar, dass 2007 mehr Firmen erstmals Anteilsscheine ausgeben als im Vorjahr: "Wir rechnen mit mindestens 80 IPOs", sagt Julie Teigland von den Wirtschaftsprüfern Ernst & Young. Die Wertpapierhandelsbank Baader in München hält bis zu 100 Börsengänge für möglich.

Die Erwartungen sind also wieder hoch. Denn schon im Jahr 2006 gab es mit 75 Erstnotierungen so viele wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. 1999 drängten nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts in Frankfurt vom Internet-Hype berauscht 175 Firmen an die Börse; ein Jahr später waren es noch 142. Doch weil dann die Stimmung an den Märkten kippte und zahlreiche Anleger Schiffbrauch erlitten, kühlte das Klima für Neuemissionen abrupt ab. Erst seit 2005 sammeln Firmen wieder vermehrt Geld am Aktienmarkt ein.

Das liegt zum einen daran, dass Internet-Blase und 11. September überwunden sind und sich die Stimmung an den Handelsplätzen längst wieder aufgehellt hat. "Das Marktumfeld für Neuemissionen hat sich damit wieder deutlich verbessert", sagt Christian Bacherl von der HypoVereinsbank in München. Zum anderen sind Börsengänge hierzulande wieder en vogue, weil sie gerne von Beteiligungsgesellschaften genutzt werden, um Kasse zu machen. Solche Finanzinvestoren haben in den vergangenen Jahren zahlreiche marode deutsche Firmen aufgekauft. Der Schritt aufs Parkett ist für sie nun ein Weg, den sanierten Besitz mit Profit wieder loszuschlagen.

Dass diese Strategie aufgehen kann, zeigt die Kursentwicklung einiger der erfolgreichsten Neuemissionen des letzten Jahres. So brachte etwa der britische Investor LBS im Sommer den Werkstoffhändler Klöckner AG an die Börse, dessen Kurs sich seitdem verdoppelte. Auch beim Duftstoffproduzent Symrise und dem Immobilienkonzern Gagfah hatten Heuschrecken ihre Finger im Spiel ­ beide Werte legten seit ihrer Ausgabe zum Jahresende um 13 beziehungsweise 27 Prozent zu.

Unter dem Strich entwickelte sich die Hälfte der Neulinge im letzten Jahr positiv. Weitere Glanzlichter waren etwa der Münchner Chemiekonzern Wacker, dessen Aktie um ein Viertel zulegte, oder die Schwandorfer Schmack Biogas AG, die 90 Prozent gewann. Selbst die Fluglinie Air Berlin landete beim zweiten Versuch im Mai an der Börse und verzeichnete dann ein Plus von einem Drittel. Doch es gab auch Abstürze: Der Kurs des Berliner Software-Spezialisten Magix rutschte seit der Erstausgabe im April um 50 Prozent ab.

"Das zeigt, dass die Anleger nicht mehr kritiklos alles kaufen", sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf. Viel mehr werde mittlerweile vor dem Einstieg genau geprüft, ob das Unternehmen gut aufgestellt ist. Privatleuten, die sich das nicht zutrauen, rät Kurz auch 2007 zur ruhigen Hand: "Erst mal abwarten, was der Kurs nach der Erstnotiz macht. Die Zeiten, in denen jeder Börsengang eine scheinbare Erfolgsgeschichte ist, sind längst vorbei."

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