Parmalat & Cirio: Zog Bank die Fäden?

- Rom - Bei seinen Verhören habe er sich verteidigt "wie ein Löwe im Käfig", schrieb eine italienische Zeitung unlängst. Gemeint ist Sergio Cragnotti, Chef von Cirio, der ehemalige Tomaten-König Italiens, der nur sechs Wochen nach der Verhaftung des früheren Milch-Königs Calisto Tanzi ebenfalls hinter Gittern gelandet ist. Die Welle von Finanz-Skandalen und die Aufdeckung krimineller Machenschaften in Vorzeige-Unternehmen erschüttern das Land.

<P>Nachdem die Italiener einige Jahre lang fast hämisch die ausländischen Milliarden-Skandale wie bei Enron oder Worldcom beobachtet hatten, erfahren sie nun, dass auch sie gigantischen Schwindeln aufgesessen sind. Nun wird nach Sündenböcken für die Machenschaften gesucht, die das internationale Ansehen des Landes angekratzt haben.<BR><BR>Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass es bei den Fällen Parmalat und Cirio nicht nur Parallelen gibt, sondern dass sie auch seltsam miteinander verwoben sind. Nicht nur, dass Cragnotti und Tanzi beide Selfmade-Manager sind, die ihre Familien-Imperien auf Pump aus dem Boden gestampft haben. Nicht nur, dass beiden vorgeworfen wird, Firmenkapital in Höhe von hunderten Millionen Euro unterschlagen und in Steuerparadiese transferiert zu haben. Nicht nur, dass beide stolze Besitzer von Fußball-Erstligisten waren, die seither mit finanziellen Problemen kämpfen: Tanzis AC Parma und Cragnottis Lazio Rom.<BR><BR>Hinzu kommt, dass Parmalat scheinbar von der Bank Capitalia so unter Druck gesetzt wurde, dass der Konzern der Cirio-Gruppe den Milchproduzenten Eurolat zu einem völlig überhöhten Preis abkaufte. Dabei fällt immer wieder der Name von Cesare Geronzi, dem Chef des römischen Geldinstituts. Capitalia war an Cirio beteiligt und der größte Gläubiger von Parmalat.<BR><BR>Die Italiener sehen sich mit einem Sumpf aus undurchsichtigen Machenschaften konfrontiert, der Großunternehmen, Banken und Politiker gleichermaßen in ihren Sog gezogen hat. "Wer hat denn überhaupt noch eine weiße Weste?", fragen sich die Anleger.<BR>Dabei wirkt Cragnottis Schuldenberg von 1,6 Milliarden Euro wie ein Maulwurf-Hügel im Vergleich zum "Mount Everest" von 14 Milliarden Euro, die Tanzi hinterlassen hat. Bei Cirio wie bei Parmalat sind zehntausende Kleinanleger betroffen, die bei den Firmenpleiten insgesamt Beträge in Milliardenhöhe verloren haben. Durch das Land hallt der Ruf nach Vergeltung. Und dass die Löwen jetzt im Käfig sitzen, verschafft so manchem eine stille Befriedigung.</P>

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