Parmalat: 10 Milliarden Euro geborgtes Geld verschwunden

- Rom - Noch steht das genaue Ausmaß des Skandals um den italienischen Milchkonzern Parmalat nicht fest, doch er wird in einem Atemzug mit den Pleiten von Enron und Worldcom genannt. Bis zu 10 Milliarden Euro könnten verschwunden sein.

<P>"Die Sachlage ist klar, die Bilanzfälschungen sind offensichtlich", sagte der Mailänder Staatsanwalt Angelo Curto nach der Überprüfung von Unterlagen, die bei zwei Firmen, die die Parmalat-Bilanzen zertifiziert haben, sichergestellt wurden. Der Schock sitzt tief. Die Mailänder Börse wurde von Parmalat, deren Aktie praktisch nichts mehr wert ist, in die Tiefe gezogen. Ein Aushängeschild Italiens steht vor der Zerschlagung.</P><P>Die Bilanzen dürften seit Jahren eine Konstruktion aus Tricks und Fälschungen gewesen sein, glauben die Ermittler. Damit wurden ahnungslose Aktionäre - darunter die Deutsche Bank - und Anleihenbesitzer hinters Licht geführt. In Italien haben mehrere 100 000 Kleinanleger Aktien oder Anleihen von Parmalat.</P><P>Der Skandal, dem Analysten "unvorstellbare Ausmaße" attestieren, übertrifft alles bisher dagewesene: Am Freitag hatte eine Mitteilung der Bank of America, die die Existenz eines Parmalat-Kontos mit fast vier Milliarden Euro dementierte, wie eine Bombe eingeschlagen. Berichten zufolge sind jedoch weitere bis zu sechs Milliarden Euro im Finanzloch verschwunden. Der internationale Konzern erweist sich als Fass ohne Boden.</P><P>Bereits Anfang der Vorwoche war der Skandal ruchbar geworden, als die Rückzahlung einer Anleihe auf der Kippe stand. Unternehmensgründer Calisto Tanzi dankte ab, ehe sich der Abgrund auftat, in dem Parmalat jetzt zu versinken droht. Finanzchef Fausto Tonna soll dafür gesorgt haben, dass die Gelder, die über die Ausgabe von Anleihen aufgetrieben worden waren, in undurchsichtige Geschäfte flossen, die nichts mit Milchproduktion zu tun hatten.</P><P>Für die italienische Wirtschaft ist der Ausmaß des Schadens kaum überschaubar. Tausende Milchbauern haben bisher Parmalat beliefert - sie könnten vor dem Nichts stehen. Tausende Arbeitsplätze vor allem in der als "Food Valley" bekannten Region um Parma sind bedroht.</P>

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