Parmalat-Gründer bietet seine Yachten zur Wiedergutmachung

- Rom - Nach dem Skandal um den insolventen italienischen Lebensmittelkonzern Parmalat hat Ministerpräsident Silvio Berlusconi schärfere Finanzkontrollen angekündigt. Ziel sei es, "das Vertrauen in unser (Finanz-)System wieder zu gewinnen." Unterdessen bot der inhaftierte Parmalat-Gründer Calisto Tanzi an, seinen 50-Prozent-Firmenanteil sowie sein persönliches Vermögen samt zweier Luxusschiffe zur Rettung des Unternehmens zur Verfügung zu stellen.

<P>Während die Staatsanwaltschaft in Mailand von einem "ersten Schritt des guten Willens" sprach, lehnt Insolvenz-Verwalter Enrico Bondi das Angebot ab. "Ich will keine Schiffe, ich will wissen, wo das Geld ist", sagte Bondi nach italienischen Medienberichten.<BR>Tanzi werden betrügerischer Bankrott, Bilanzfälschung und Veruntreuung vorgeworfen. Er soll gestanden haben, 500 Millionen Euro von Parmalat abgezweigt zu haben. Insgesamt klafft ein Bilanzloch von acht Milliarden Euro. Es handelt sich damit um einen der größten Finanzskandale der europäischen Unternehmensgeschichte. Mehrere Manager sagten in Verhören aus, sie hätten nach "Weisungen von ganz oben" gehandelt. "Es fehlen Milliarden Euro", sagte Bondi. "Jetzt ist der Moment gekommen, auf eine einzige Frage eine ehrliche Antwort zu geben: Wo ist das Geld?"</P><P>Für den italienischen Fußball-Erstligisten AC Parma, der zu Parmalat gehört, könnte bald zahlungskräftige Unterstützung kommen. Das italienische Fernsehen berichtete am Samstag, der russische Öl-Milliardär Roman Abramowitsch, der bereits den englischen Club Chelsea FC besitzt, sei daran interessiert, als Aktionär einzusteigen. Bondi will als ersten Schritt zur Rettung des Konzerns den hoch verschuldeten AC Parma verkaufen.</P><P>"Ich will keine Schiffe, ich will wissen, wo das Geld ist."<BR>Insolvenzverwalter Enrico Bondi<BR><BR>Ein Anwalt Tanzis sagte, es sei kein Geld von Parmalat im Ausland versteckt. Allerdings könnte es möglich sein, dass es Parmalat-Konten im Ausland gebe, "von denen er nichts weiß". Die Arbeit der Fahnder richtet sich daher Berichten zufolge jetzt vor allem auch auf Banken und Geldinstitute, die mit Parmalat zusammengearbeitet haben. </P><P>Auch US-Behörden schalteten sich inzwischen in die Ermittlungen ein. In New York wurde das Büro eines Parmalat-Anwalts durchsucht. Berlusconi sagte, seine Regierung werde sich bereits diese Woche mit schärferen Finanzkontrollen beschäftigen. Es gehe um eine Neuregelung "der überkommenen Kontroll-Mechanismen, um eine Wiederholung von Skandalen zu verhindern". Er machte aber klar, dass er an Wirtschaftsminister Giulio Tremonti festhalten wolle, der wegen Parmalat in die Kritik geraten war.<BR></P>

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