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Immer mehr einsame Herzen suchen ihr Glück bei professionellen Partnervermittlungen. Doch oft gibt es Verdruss – weil der Vermittlungsservice teuer und/ oder nicht erfolgreich ist. Wir erklären, worauf man achten muss.

Partnervermittlung in Zeitung und Internet

So läuft das Geschäft mit dem Glück

München - Die große Liebe suchen viele Menschen über eine Partnervermittlung – oft über das Internet, manchmal über eine Annonce. Das Geschäft mit der Einsamkeit boomt. In der Branche tummeln sich aber auch unseriöse Anbieter.

Josef M. (Name geändert) fühlt sich einsam. Er ist Anfang 30, Landwirt und Single. Ein Überbliebner, sagt er selbst. „Die Richtige war bis jetzt einfach nicht dabei.“ Dabei würde er gerne heiraten und eine Familie gründen. Als er die Kontaktanzeige einer 26-jährigen Landwirtschaftstochter in der Zeitung liest, greift er zum Telefon – und landet bei einer Partnervermittlung.

Vier Wochen sind seitdem vergangen. 4700 Euro hat der Landwirt aus Bayern bezahlt, um die Landwirtschaftstochter oder eine andere Frau, die seinen Vorstellungen entspricht, kennen zu lernen. Näher gekommen ist er seinem Glück allerdings kein Stück. Die Partnervermittlung habe ihm falsche Versprechungen gemacht, sagt Josef M. rückblickend. Er fühlt sich getäuscht.

Tatsächlich tummeln sich in der Branche einige schwarze Schafe, die das große Geld wittern. Denn das Geschäft mit der Einsamkeit ist lukrativ. Jeder Zehnte in Deutschland hat laut Marktforschungsgesellschaft GfK schon einmal eine Partnervermittlung oder eine Singlebörse in Anspruch genommen. Sie alle wollen mit professioneller Hilfe ihren Traumpartner finden. Nicht immer klappt das – so wie bei Josef M. Zurück zu seiner Geschichte.

Eingelullt und abgezockt

Gemeinsam mit seinem Vater fährt der Landwirt nach München zum Beratungsgespräch. Ganz unverbindlich. Einen Vertrag will er auf keinen Fall unterschreiben. Man wolle mit ihm über seine Wünsche und Vorstellungen sprechen, heißt es in der Einladung. Im Gespräch beschreibt Josef M. seine Traumfrau: Mitte 20, schlank, Führerschein, keine Akademikerin und aus der Region. Schön wäre es auch, wenn sie wie er aus der Landwirtschaft käme. Die Dame von der Partnervermittlung klingt mehr als zuversichtlich. „So einer wie Sie, der ist in einer Woche weg“, habe sie versichert, erzählt Josef M. Sie habe sogar bereits die „ideale Partnerin“ parat gehabt. Würde er gleich hier den Vertrag unterschreiben und den Betrag umgehend begleichen, hätte er binnen zwei Tagen die Kontaktdaten der Dame vorliegen, habe die Frau versprochen.

Josef M. wird schwach. Nach 30 Minuten unterschreibt er trotz seiner guten Vorsätze, mit EC-Karte leistet er die Anzahlung – 1000 Euro. Zu Hause am Abend überweist er den Rest. Mit seiner Unterschrift erteilt Josef M. einen sogenannten Dienstleistungs-Auftrag. Die Partnervermittlung garantiert ihm sechs Partnervorschläge innerhalb von sechs Monaten. Danach ist Schluss – unabhängig davon, ob Josef M. seine große Liebe gefunden hat oder nicht.

Die Kosten für den Service belaufen sich auf rund 4700 Euro. Viel Geld für Josef M. Doch er ist zuversichtlich – und die Partnervermittlung hält Wort, wie es scheint. Zwei Tage nach Vertragsabschluss hat Josef M. den ersten Partnervorschlag im Briefkasten. Die Dame ist allerdings über 30, eine Beziehung mit dem Landwirt könne sie sich nicht vorstellen, stellt sich schnell heraus. Josef M. beschwert sich bei der Partnervermittlung, wird abgewimmelt und hat bald den nächsten Vorschlag im Briefkasten. Doch auch diesmal ist die potentielle Partnerin über 30 und wohnt mehr als 150 Kilometer entfernt, eine Kontaktaufnahme klappt erst gar nicht. Auch der dritte Partnervorschlag passt so gar nicht zu den Vorstellungen des Landwirts.

Oft ist die Traumfrau nur ein Lockvogel

Mittlerweile ist Josef M. frustriert und wütend. „Es war eine Dummheit, dass ich darauf reingefallen bin“, sagt er. Die Landwirtstochter aus der Anzeige, die er eigentlich kennenlernen wollte, gab es nie, glaubt der Landwirt. „Sie war nur ein Lockvogel, um mich dazu zu bringen, den Vertrag zu unterschreiben.“

Tatsächlich arbeiten Partnervermittlungen immer wieder mit Lockvögeln – gerne auch mit einem Foto neben der Anzeige, das eine hübsche junge Dame zeigt. Später stellt sich dann heraus: Die Traumfrau gibt es gar nicht – oder sie wurde laut Agentur bereits vermittelt. Doch im Beratungsgespräch, das auch oft beim Kunden zu Hause stattfindet, lassen geschulte Profis ihre Überredungskünste spielen. Oft endet das Treffen dann mit einem Vertragsabschluss – auch wenn von der Person, die in der Anzeige beschrieben wurde, gar keine Rede mehr ist.

Augen auf beim Kleingedruckten!

Eva-Maria Schönmetzler, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern, rät deshalb, sich im Beratungsgespräch nicht unter Druck setzen zu lassen. „Man sollte das Vertragsangebot genau lesen – auch das Kleingedruckte – und am besten von einem Dritten prüfen lassen“, rät sie. Auch die Verbraucherzentrale Bayern bietet solche Vertragsprüfungen an.

Schließlich geht es oft um viel Geld. 4700 Euro wie im Fall von Josef M. sind keine Seltenheit. „2000 bis 5000 Euro sind ein üblicher Betrag“, sagt Simone Janssen. Sie ist Präsidentin des Gesamtverbands der Ehe- und Partnervermittlungen (GDE) in Deutschland. Janssen warnt sogar vor Instituten, die für ein paar hundert Euro den Traumpartner versprechen. Das sei ein Zeichen dafür, dass die Agentur nicht seriös arbeitet. Auch ein Warnsignal: Der Vermittler besteht auf Barzahlung vor Ort.

Wann bekomme ich mein Geld zurück?

Ist der Vertrag erst einmal unterzeichnet, haben Kunden schlechte Chancen, ihn zu widerrufen. „Wird der Vertrag im Ladenlokal der Partnervermittlung unterzeichnet, hat man kein Widerrufsrecht“, erklärt Schönmetzler. Wird der Vertrag außerhalb von Geschäftsräumen – zum Beispiel zu Hause beim Kunden – geschlossen, gibt es allerdings grundsätzlich die Möglichkeit, den Vertrag innerhalb von zwei Wochen zu widerrufen.

Oft passiert es auch, dass der Kunde unzufrieden mit den Partnervorschlägen der Agentur ist – wie im Fall von Josef M. Grundsätzlich gilt hier: „Für unbrauchbare Partnervorschläge braucht man nichts zu bezahlen und kann alles zurückfordern, was man bereits gezahlt hat“, sagt Schönmetzler. Das hat das Landgericht Hamburg bereits in einem Urteil aus dem Jahr 1991 entschieden (Az.: 302 S 9/91). „Allerdings muss man das beweisen – und es reicht nicht, dass einem der vorgeschlagene Partner nicht gefällt.“ Das bedeutet: Eine Klage hat nur Aussichten auf Erfolg, wenn gar keine Vorschläge gemacht wurden – oder sie wirklich völlig unbrauchbar sind. „Das ist dann Auslegungssache des Gerichtes“, erläutert Schönmetzler.

Um sich vor Abzockermaschen zu schützen, raten Verbraucherschützer Partnersuchenden lieber selbst eine Kontaktanzeige aufzugeben – am besten mit Chiffrenummer. Dann bleibt man anonym. Josef M. wäre so viel Ärger und viel Geld erspart geblieben. Auch wenn er nach langem Hin und Her am Ende die Hälfte des Geldes zurückbekommen hat.

Manuela Dollinger

Hilfe bei der Partnersuche

Der GDE hilft bei der Suche nach seriösen Partnervermittlungen (www.g-d-e.de).

Die Verbraucherzentrale informiert in ihrem Ratgeber „Gesucht: Neue Liebe: Partnervermittlung auf dem Prüfstand“ zum Thema (www.ratgeber.vzbv.de).

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