Patenschaftsaktion des Münchner Merkur

„Wer arm und alt ist, sollte nicht krank werden“

München - Ältere brauchen oft Medikamente. Doch viele können nicht mal den einmaligen Betrag von knapp 47 Euro im Jahr berappen, der sie von Zuzahlungen befreit. Mit der Patenschaftsaktion unserer Zeitung wollen wir helfen.

Einmal im Jahr schickt die gesetzliche Krankenkasse AOK einen Brief an Elfriede Germersdorf, 73. Dem Brief liegt dann ein Überweisungsschein bei: über knapp 47 Euro. Diese Summe muss Elfriede Germersdorf berappen, irgendwie – damit sie von allen Zuzahlungen für Medikamente, Heil- und Hilfsmittel befreit ist. Doch Elfriede Germersdorf kann sich nicht einmal diesen Betrag leisten: Sie hat nur eine Mini-Rente von 275,80 Euro im Monat und ist auf Grundsicherung angewiesen. Sie braucht die Befreiung aber dringend – weil sie schwer krank ist, täglich Tabletten schlucken muss und erst kürzlich eine neue Niere verpflanzt bekam.

„Wer arm und alt ist, sollte nicht krank werden“, sagt Elfriede Germersdorf. Ihre Kassenbeiträge übernimmt zwar der Staat, doch den sogenannten Befreiungsobolus für die Zuzahlungen muss sie eben selbst tragen. „Früher war es dann so, dass ich einen Monat hungern musste, um das Geld aufzubringen“, erzählt die Rentnerin. „Heute gibt es zum Glück Lichtblick Seniorenhilfe.“

Ein Verein, der in Oberbayern bedürftige ältere Menschen unterstützt (siehe Kasten). „Inzwischen zahlen wir für mehr als 1000 verarmte Senioren diesen Befreiungsbetrag – weil ihre Rente dafür einfach nicht reicht“, sagt Vereins- Chefin Lydia Staltner. Auch bei den Krankenkassen, wie der Barmer Ersatzkasse (BEK), kennt man dieses Problem. Schuld sei die Gesundheitsreform aus dem Jahr 2004, erklärt eine BEK-Sprecherin: Zuvor habe es Einkommensgrenzen gegeben; diejenigen, die mit ihren Einkünften darunter lagen, seien von der Zuzahlung befreit worden – und zwar ohne die einmalige Zahlung von besagten knapp 47 Euro. Der Gesetzgeber habe die alte Regelung jedoch abgeschafft. „Es gibt also keine Möglichkeit mehr, diesen Betrag zu erlassen“, sagt die Sprecherin.

Für Menschen wie Elfriede Germersdorf kommt die Zusatzausgabe einem finanziellen Desaster gleich. Wenn sie noch arbeiten könnte, sie würde es ja liebend gerne tun. Aber das geht schon lange nicht mehr. Bis zum Schluss hatte sich Elfriede Germersdorf als Sekretärin durchgeschlagen. Dann streikte die Niere, Elfriede Germersdorf musste mehrmals pro Woche an das Dialysegerät – immer wieder für Stunden. „Das war’s dann mit einem Job“, sagt sie heute.

Immerhin: Die knapp 47 Euro hat kürzlich der Verein Lichtblick Seniorenhilfe an die AOK überwiesen. Elfriede Germersdorf kann aufatmen. Sie wird ihre Medikamente ohne Zuzahlung bekommen.

Felix Barth

Schenken Sie ein bisschen Würde: Mit unserer Patenschaftsaktion für ältere Menschen

Bei der Aktion des Münchner Merkur und der Sparda-Bank München gegen Altersarmut können Sie eine Patenschaft für in Not geratene Senioren übernehmen. Eine Patenschaft kostet 35 Euro im Monat. Das Geld kann viertel-, halbjährlich oder für ein ganzes Jahr gespendet werden. Auch einmalige Spenden sind willkommen. Der Verein Lichtblick Seniorenhilfe leitet stets die volle Summe an die Bedürftigen weiter. Überweisungen tätigen Sie bitte auf das Konto 490 1010 des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe (Balanstraße 45, 81669 München) bei der Sparda-Bank München, BLZ 700 905 00. Weitere Informationen gibt es beim Verein Lichtblick: 089/67 97 10 10. Die E-Mail-Adresse des Vereins lautet: info@lichtblick-sen.de. Lichtblick Seniorenhilfe ist ein gemeinnützig anerkannter Verein. Für Ihre Spenden erhalten Sie eine Spendenquittung; bitte geben Sie Ihre Adresse an.

Rubriklistenbild: © dpa

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