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"Patient Konjunktur" lernt langsam wieder das Laufen

- München - Um Bayerns Konjunkturlage zu beschreiben, übt sich Reinhard Dörfler in bildlichen Vergleichen: "Der Patient hat die Intensivstation verlassen und tut wieder erste Schritte", meint er mit einem lachenden und einem weinenden Auge bei der Beurteilung von Bayerns Konjunkturlage in München.

<P>Der Hauptgeschäftsführer des bayerischen Industrie- und Handelskammertags (IHK) gab jedoch zu verstehen, dass die Beine, auf denen der Patient Konjunktur steht, seiner Meinung nach recht tönern sind: Mit einem durchgreifenden Aufschwung sei trotz Belebung 2004 nicht zu rechnen.<BR><BR>Industrie ist spürbar im Aufwind</P><P>In einigen Bereichen gibt es indes durchaus Positives zu vermelden, wie der IHK bei einer Umfrage unter 3600 bayerischen Unternehmen herausfand: "Die Industrie und der mit ihr eng verbundene Großhandel sind bei uns spürbar im Aufwind", freut sich Dörfler. "Erstmals seit zwei Jahren überwiegen in der Industrie die Positivmeldungen." <BR><BR>22 Prozent der Firmen bewerten die Geschäftslage momentan als "gut", im Herbst 2003 waren es nur 18 Prozent. Als "schlecht" beurteilen die Lage nur noch 21 Prozent (davor: 29 Prozent). Gedämpft werde die positive Stimmung jedoch von der Realität, meint Dörfler: "Nur 19 Prozent der Unternehmen sind momentan ausgelastet, noch 29 Prozent berichten von einer ungenügenden Kapazitätsauslastung."<BR><BR>Peter Kammerer, Konjunkturexperte beim IHK, sieht die viel gefeierte hervorragende Exportbilanz der Industrie zwiespältig: "Der Wertschöpfungsanteil bei uns sinkt. Viel zu oft werden Teilprodukte importiert, hier zusammengebaut und dann wieder exportiert, gerade in der Auto-Industrie."<BR><BR>Beim kleineren Bruder der Industrie, dem Handwerk, bleibt die Stimmung recht verhalten: "Zur Zeit herrscht bei uns das Prinzip Hoffnung", fasst Heinrich Traublinger, Präsident der bayerischen Handwerkskammer (HWK), lakonisch zusammen. Einen echten Aufschwung im Handwerk bremse nach wie vor die hohe Arbeitslosigkeit und der verhaltene Konsum.<BR><BR>Letzteren bekommt auch der Einzelhandel zu spüren: "42 Prozent melden momentan eine schlechte Geschäftslage", bedauert Dörfler. "Das Konsumklima hat sich im Dezember wieder eingetrübt, das Weihnachtsgeschäft verlief schleppend."<BR><BR>Bei den Dienstleistern dagegen herrscht Optimismus: 38 Prozent beurteilen die momentane Lage in der IHK-Umfrage optimistisch, 12 Prozent mehr als im Herbst. "Immerhin 21 Prozent der unternehmensnahen Dienstleister wollen ihr Personal aufstocken, nur noch 15 Prozent halten Abbau für nötig", fasst Dörfler zusammen.<BR><BR>Insgesamt sei ein Aufschwung zu spüren, meint der IHK, es müsse sich aber erst zeigen, wie nachhaltig er ist. Bekomme man die Arbeitslosigkeit nicht in den Griff, sei der Patient wohl bald wieder bettlägrig.</P>

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