Patient Tourismus wird von Angstanfällen geschüttelt

- München - Terror, SARS und die lahme Konjunktur: Das hat ausgereicht, um die Fieberkurve des Patienten Tourismus in schwindelerregende Höhen zu treiben. Eine Runde aus Experten diskutierte über Strategien, um verängstigte Kunden wieder zurück in die leeren Flugzeuge und Hotels zu locken.

<P>Trotz beinahe täglich neuer Hiobsbotschaften scheint den Vertretern von Versicherungsgesellschaften, Fluglinien und Informationsdiensten der Optimismus nicht abhanden gekommen zu sein. Adrian von Dörnberg, Chef der Europäischen Reiseversicherungs AG in München, will die Daumenschrauben fester anziehen. Sprich: Die "Europäische" setzt auf eine strengere Überprüfung bei Reiserücktritten. Nach dem 11. September seien diese "sprunghaft angestiegen" und hätten 2001 zu zusätzlichem Schadensaufwand von 14 Millionen Euro geführt.</P><P>Durch jene neue "Hemmschwelle" seit November 2002 habe die "Europäische" eine neue Flut von Reiserücktritten verhindern können. Eine Erstattung der Stornokosten sei nur etwa bei Unfall oder Krankheit möglich. Dörnberg: "Die Welt ist nicht unsicherer geworden." Es gebe zwar Risiken, aber auf die könne man sich vorbereiten. Den Vorwurf, dass die Lungenseuche SARS gerade durch die Fliegerei in Windeseile um den Globus verbreitet wurde, wollte Uwe Stüben nicht stehen lassen. Der Leiter des Medizinischen Dienstes der Lufthansa, die wie berichtet kürzlich in die roten Zahlen gerutscht war, erklärte, dass es insbesondere China anfangs an Sorgfalt bei Quarantäne und Hygiene habe mangeln lassen.</P><P>Dennoch: "Die meisten Reisewarnungen sind aufgehoben. Von 200 Millionen Fluggästen haben sich nur drei mit SARS angesteckt", so Stüben. "Zum Vergleich: Pro Jahr werden 1000 Malariafälle eingeschleppt." Zum Tourismuskiller Terror: Djerba, Bali, Casablanca oder Riad, wo Al Quaida ganze Straßenzüge in Schutt und Asche legte, hält Adrian von Dörnberg für Destinationen mit "nur einem Bruchteil des weltweiten Reiseaufkommens. Nach Riad will doch kaum einer." Die Kluft zwischen subjektiv empfundener Gefahr und realer Bedrohung klaffe weit auseinander.</P><P>Unternehmensberater Peter Höbel kam nicht umhin, die Touristik-Unternehmen zu kritisieren: "Zahlen allein helfen niemandem." Es sei versäumt worden, die Kunden schnell zu informieren und Vertrauen zu schaffen. "Es ist absurd, wenn Reisebüros von Zielen wie Thailand abraten, nur weil in der Nähe eine Krankheit ausbricht."</P><P>Krisenmanagement müsse wichtiger werden, Billigangebote seien aber der falsche Weg: "Nutznießer sind diejenigen, die ohnehin reisen." Folge: ein weiterer Ertragsverfall. Man könne die Krise auch als Chance nutzen, so Höbel. Leerstehende Hotels könnten _ wie in Tunesien - renoviert und das Personal zur Fortbildung geschickt werden.</P>

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