Paukenschlag bei der HVB

- München - Paukenschlag bei der HypoVereinsbank: Im Zuge der Übernahme durch die italienische Bank UniCredit verlassen wichtige Top-Manager den Konzern. HVB-Kapitalmarkt-Vorstand Stefan Jentzsch habe völlig unerwartet gekündigt, obwohl er im neuen UniCreditVorstand eine führende Rolle spielen sollte, erfuhr die dpa am Samstag aus Finanzkreisen in München.

Auch die deutsche PrivatkundenChefin Christine Licci und aller Voraussicht nach auch FirmenkundenVorstand Johann Berger nehmen ihren Hut. Einer von beiden sollte eigentlich neuer Deutschland-Chef werden. Nun soll HVB-Finanzvorstand Wolfgang Sprißler Chef der HypoVereinsbank AG werden, wenn der jetzige Vorstandsvorsitzende Dieter Rampl an die Spitze des UniCredit-Verwaltungsrats wechselt.

Ein HypoVereinsbank-Sprecher wollte die Nachrichten nicht kommentieren. Er verwies auf eine Sitzung des Verwaltungsrats der UniCredit-Bank am 18. November. Danach sollten Personalien bekannt gegeben werden.

Vor allem der Rücktritt von Jentzsch überraschte die Branche. Der hoch geschätzte Investmentbanker sollte auch im UniCredit-Vorstand die Verantwortung für das Geschäftsfeld "Corporates & Markets" übernehmen. Laut Finanzkreisen wollte UniCredit-Chef Alessandro Profumo aber das Ressort etwas anders zuschneiden, was Jentzsch nicht hinnehmen wollte.

Bei einem Besitzerwechsel haben die HVB-Vorstände ein SonderKündigungsrecht zum Termin des so genannten Closings. Diese Möglichkeit nutzen nun auch Licci und dem Vernehmen nach auch Berger. Bei der HypoVereinsbank war ursprünglich erwartet worden, dass nur derjenige von beiden geht, der nicht neuer Vorstandssprecher der HypoVereinsbank AG geht. "Die haben die Schnauze voll von dem Hin und Her", sagte ein Unternehmenskenner.

Laut Finanzkreisen hatte Licci wegen ihres taktisch ungeschickten Verhaltens in der Vergangenheit keine Chance mehr auf den Chefsessel bei der HVB, der nach der Übernahme allerdings erheblich an Macht verlieren wird. Berger war zuletzt ein Immobilienvorstands-Posten bei UniCredit in Aussicht gestellt worden. Auch er geht jetzt aber. Unklar war am Samstag, ob er bereits gekündigt hat.

Sprißler macht nun noch einmal einen völlig unerwarteten Karrieresprung. Eigentlich sollte der 59-Jährige nach der Übernahme in den Ruhestand gehen. Nun gilt er aber als beste Wahl, um eine gewisse Kontinuität zu sichern. Laut "Welt am Sonntag" ist auch nicht mehr so sicher, ob Rampl tatsächlich an die Spitze des UniCreditVerwaltungsrates wechselt. "Es ist nicht auszuschließen, dass Rampl den Wechsel absagt und persönliche Gründe vorschiebt", sagte ein Aufsichtsrat der Zeitung.

Für Unruhe in der Bank sorgt nach Informationen des "Spiegel", dass Profumo die geplanten Einsparungen durch Synergieeffekte in Höhe von jährlich 900 Millionen Euro allein in Deutschland und Österreich realisieren wolle, was zu einem Abbau von mehreren tausend Stellen führen werde. Das italienische Geschäft dagegen solle weitgehend unangetastet bleiben.

UniCredit hatte sich in einer milliardenschweren Übernahme mehr als 88 Prozent der HVB-Anteile gesichert. Die Fusion soll mit der Aufsichtsratssitzung am 18. November vollzogen werden.

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