Paukenschlag bei Volkswagen: Pischetsrieder muss gehen

- Wolfsburg/Ingolstadt ­ Seine Karriere ist in der deutschen Automobilbranche beispiellos: Bernd Pischetsrieder, nur noch bis Ende Dezember Vorstandschef von Volkswagen, führte gleich zwei deutsche Autokonzerne. Aber er verließ auch beide Male den Posten vor Ablauf des Vertrages. In dürren Worten teilte der VW-Konzern am Abend mit, das Präsidium des VW-Aufsichtsrats und der Vorstandschef hätten sich "einvernehmlich über sein Ausscheiden zum 31. Dezember 2006 verständigt".

Nachfolger von Pischetsrieder an der Volkswagen-Spitze soll Martin Winterkorn, der erfolgsverwöhnte Chef der VW-Tochter Audi, werden. Der Aufsichtsrat soll über die Spitzenpersonalie am 17. November entscheiden. Winterkorn ist seit März 2002 Audi-Chef. Der 59 Jahre alte Manager steht vor einer schweren Aufgabe, da die Marke Volkswagen in einer Krise ist und mit einem tiefgreifenden Sanierungsprogramm wieder flott gemacht werden soll.

Der zum jetzigen Zeitpunkt völlig unerwartete Abgang bei VW hat sein Vorspiel im Frühjahr dieses Jahres. Denn Pischetsrieders Amtsvorgänger, der jetzige Aufsichtsratsschef Ferdinand Piëch, hatte im März eine Diskussion um die Zukunft des Vorstandsvorsitzenden losgetreten. "Es ist wirklich eine offene Frage", ob Pischetsrieders Anfang 2007 auslaufender Vertrag verlängert werde, hatte Piëch in einem Interview erklärt.

Zwar setzte sich Pischetsrieder zunächst durch und bekam im Mai eine Vertragsverlängerung bis 2012. Doch jetzt ist die von Piëch aufgeworfene Frage endgültig beantwortet: Pischetsrieder geht.

Der scheidende VW-Boss, gelernter Maschinenbau-Ingenieur, hatte vor seinem Amtsantritt in Wolfsburg 2002 eine glänzende Karriere bei BMW hingelegt und wurde dort 1993 Vorsitzender des Vorstands. Nach fünf Jahren aber musste er den Posten wieder räumen: Das von ihm vorangetriebene Engagement bei Rover brachte ihm eine schwere Schlappe bei. BMW hatte 1994 die angeschlagene Rover Group übernommen und wollte ein Massenhersteller werden. Doch nach Milliardenverlusten stieg BMW 1999 aus.

Der damalige BMW-Chef verließ den Münchner Autobauer. Ihm wurde vorgeworfen, zu lange mit der Sanierung gezögert zu haben.

Bei VW stieg der heute 58-jährige im April 2002 ein, Piëch erinnerte sich an den geschickten Verhandler und holte ihn als Nachfolger. Hier warteten einige Probleme auf den neuen Mann: Währungsabsicherung war nicht betrieben worden, so dass der Dollarverfall bald das US-Geschäft ruinierte. VW hatte keine erfolgreichen Nischenmodelle wie Vans, kleine Geländewagen oder Sportcabrios, weil die Entwickler über Jahre an Piëchs Visionen der automobilen Oberklasse arbeiteten. Und: Piëch hatte völlig überholte Kostenstrukturen bei der Marke VW in Deutschland hinterlassen.

Danach türmten sich für Pischetsrieder immer neue Probleme auf: Allen voran die im Sommer 2005 losgetretene Affäre um Betriebsratsspesen und interne Abrechnungsmodelle bei Volkswagen, die Personalvorstand Peter Hartz den Job kosteten. Dazu kommt die harte Sanierung bei dem Autobauer, die unter anderem Personalabbau und mehr Arbeitszeit für die verbleibenden Mitarbeiter bedeuten.

yOb Pischetsrieder dem Konzern in anderer Funktion erhalten bleibt, war am Dienstagabend zunächst unklar. Und auch auf die Frage, ob der eigentlich bis 2012 laufende Vertrag, der einige Millionen Euro Gehalt umfassen dürfte, voll ausgezahlt wird, gab es zunächst keine Antwort.

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