+
Alle Daimler-Mitarbeiter können im Urlaub nun E-Mails löschen lassen.

Bei Daimler

Im Urlaub kein E-Mail-Terror mehr

Stuttgart - Trotz Urlaubs hat so mancher Arbeitnehmer Stress - weil er seine Dienst-Mails liest oder bei seiner Rückkehr eine Flut elektronischer Post vorfindet. Einige Firmen steuern gegen.

Abschalten erlaubt: Nach einer ersten Pilotphase können in diesem Sommer erstmals alle Daimler-Mitarbeiter ihre E-Mails im Urlaub löschen lassen. Beschäftigte des Autobauers sollen so bei ihrer Rückkehr „mit einem sauberen Schreibtisch“ starten, erklärte Personalvorstand Wilfried Porth am Mittwoch in Stuttgart: „Es entsteht kein Stau im elektronischen Postfach. Das ist eine emotionale Entlastung.“ Auch andere Unternehmen setzen dem E-Mail-Stress in der Freizeit inzwischen Grenzen.

Daimler hatte das Vorhaben bereits Ende 2012 angekündigt, bisher aber nur in einzelnen Bereichen getestet. Wie viele Beschäftigte im Urlaub wirklich die Finger von ihren E-Mails lassen, wird nicht erhoben.

Dem Dax-Konzern zufolge können nun alle rund 100 000 Mitarbeiter mit eigenem E-Mail-Postfach das Angebot nutzen. Eine Abwesenheitsnotiz verweist dann auf den zuständigen Vertreter - und darauf, dass die soeben geschickte E-Mail gelöscht wurde.

Die Schwaben haben dafür einen eigens entwickelten Abwesenheitsassistenten namens „Mail on Holiday“ entwickelt. Der Vorteil: Mitarbeiter haben nicht den Druck, schon im Urlaub ihr dienstliches Postfach zu checken - und bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz sind keine Altlasten abzuarbeiten.

Die IG Metall begrüßte den Schritt. Eine Sprecherin betonte aber, dass man bei dem Thema auch die Politik in der Pflicht sehe, Regelungen zu finden: „Die zunehmende Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass Arbeitnehmer rund um die Uhr erreichbar sind.“

Auch VW und Telekom bremsen Mail-Flut

Auch andere Unternehmen lassen ihre Leute in der Freizeit zur Ruhe kommen. Der Autobauer Volkswagen hat etwa eine E-Mail-Pause nach Feierabend eingeführt. Bei der Telekom haben sich leitende Angestellte verpflichtet, Mitarbeitern nach Dienstschluss, am Wochenende und im Urlaub keine Mails zu schicken.

Der Autozulieferer Continental hat dazu nach eigenen Angaben einen „Leitfaden mit Ratgeber-Charakter“. Der Softwarekonzern SAP setzt indes auf Online-Plattformen: Dort könnten Teams ihre Ergebnisse sicher und Dokumente fortlaufend bearbeiten. Wer im Urlaub sei, bleibe außen vor und könne den Fortschritt bei Rückkehr einsehen.

„Ich finde die Idee gut“, sagt Frank Brenscheidt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin mit Blick auf Daimlers Löschaktion. „Das ist aber nichts, was auf jeden Arbeitsplatz übertragbar ist.“ Letztlich müsse jeder Betrieb seine eigene Lösung finden - zumal so mancher Mitarbeiter zu einzelnen Ansprechpartnern unter Umständen ein Vertrauensverhältnis habe, das sein Vertreter nicht ersetzen könne. Brenscheidt: „Die besten Geschäfte werden oft über persönliche Kontakte abgeschlossen.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

So viele Stellen und Angebote streicht der Bayerische Rundfunk
Der BR muss – wie alle anderen öffentlich-rechtlichen Sender auch – sparen. Intendant Ulrich Wilhelm will den Rotstift ansetzen, Angebote und Stellen streichen. 
So viele Stellen und Angebote streicht der Bayerische Rundfunk
Aufbau von Air-Berlin-Transfergesellschaft zieht sich hin
Noch sind die Millionen nicht zusammen, die Tausenden Air-Berlin-Mitarbeitern etwas Luft verschaffen könnten bei der Jobsuche. Die Sorge hat der Vorstandschef persönlich …
Aufbau von Air-Berlin-Transfergesellschaft zieht sich hin
Wall Street treibt Dax und MDax auf Rekordhoch
Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt sind zur Wochenmitte wieder in Rekordlaune gewesen. Sowohl der Leitindex Dax als auch der MDax erreichten am …
Wall Street treibt Dax und MDax auf Rekordhoch
Soros überträgt 18 Milliarden Dollar an seine Stiftung
Der US-Milliardär George Soros spendet regelmäßig immense Summen für wohltätige Zwecke. Nun soll der Hedgefonds-Guru den Riesenbetrag von 18 Milliarden Dollar gestiftet …
Soros überträgt 18 Milliarden Dollar an seine Stiftung

Kommentare