Peinliche Durchsuchung bei Eon

- München - In der Konzernzentrale herrscht betretenes Schweigen. "Kein Kommentar", wiegelt ein Eon-Pressesprecher alle Nachfragen über eine spektakuläre Razzia der EU-Kommission in Düsseldorf und bei der Münchner Tochter Eon Energie ab. Aber er dementiert die Durchsuchung auch nicht. Es geht wieder um Strompreise und Marktmissbrauch in der Energiebranche.

Eon steht im Verdacht, mit anderen großen Stromversorgern in Deutschland die Märkte aufgeteilt zu haben. Offenbar haben die Brüsseler Wettbewerbshüter Hinweise darauf, dass Eon und RWE vereinbarten, sich in ihren angestammten Liefergebieten nicht ins Gehege zu kommen. Ob es solche Abmachungen gibt, ist unklar. Klar dagegen ist: Die Unternehmen sitzen auf einem natürlichen Monopol.

Da nicht jeder Marktteilnehmer in der Energiebranche über Netzkapazitäten verfügt und ein Aufbau ökonomisch auch unsinnig wäre, halten nur die Großen der Branche wie Eon, RWE, Vattenfall und EnBW entsprechende Stromleitungen bereit. Diese Netze wiederum müssen sie anderen Anbietern zur Durchleitung zur Verfügung stellen - gegen ein entsprechendes Entgelt.

Alle vier sind dabei nicht bundesweit als Konkurrenten am Ball, sondern nur in Gebieten, die im Energiewirtschaftsgesetz von 1936 als Reviere abgesteckt wurden, dominante Versorger. Sie werden deshalb auch Gebietsmonopolisten genannt. Sie hätten die Macht, kritisiert Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher, den deutschen Markt unter sich aufzuteilen (siehe auch Kasten).

Ob beim Bundeskartellamt, in Brüssel, bei Verbraucherschützern oder zuletzt auch den industriellen Kunden - schon seit längerer Zeit stehen die großen Energiekonzerne wegen ihrer Preispolitik bei Strom und Gas am Pranger. Alle vier erzielten im vergangenen Jahr prächtige Gewinne und schütteten wie Eon Rekorddividenden an ihre Aktionäre aus. Das geht auf Kosten der Verbraucher, sagen die Kritiker. Eine Milliarde Euro monatlich, schätzt Peters, würden in Deutschland von den Verbrauchern wegen der starren Märkte zu viel für Strom und Gas bezahlt.

Eon-Chef Wulf Bernotat, bei dem laut "Berliner Zeitung" die Brüsseler Beamten vorstellig wurden, ist ständig bemüht, die Wogen zu glätten. Genötigt vom zunehmenden öffentlichen Druck, legte er bereits im vergangenen Jahr die Gaspreiskalkulation offen. "Die Zeit billiger Energie ist vorbei", sagte er Anfang Mai auf der Hauptversammlung des Unternehmens mit Blick auf die wachsende globale Nachfrage und die abnehmenden Reserven fossiler Energien. Die heutigen Strompreise für Endkunden, beteuert der Eon-Chef, lägen ohne staatliche Abgaben sogar auf dem Niveau von 1998.

Ob die Ermittler bei ihrer Durchsuchungsaktion fündig geworden sind - unter anderem sollen sie bei der Eon Energie in München mitten in eine Vorstandssitzung geplatzt sein und dort neben weiteren Unterlagen Laptops beschlagnahmt haben -, ist fraglich. Schließlich war die Branche bereits vorgewarnt. Vor zwei Wochen waren verschiedene andere Unternehmen, darunter auch der Essener RWE-Konzern, das Ziel der Ermittler.

Dennoch ist für Eon die Razzia mehr als peinlich. Konzernchef Bernotat hat sich erst kürzlich lobend über die Behörde geäußert, und zwar im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme des spanischen Versorgers Endesa durch Eon. Die EU genehmigte nämlich die 29 Milliarden Euro teure Akquisition ohne große Auflagen in Rekordtempo.

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