Pentagon verschiebt Tankflugzeug-Entscheidung

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Washington (dpa) - Im Ringen um den milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag der US-Luftwaffe hat Boeing einen wichtigen Teilerfolg gegen den europäischen Konkurrenten, die Airbus-Mutter EADS, verbucht: Völlig überraschend zog das Verteidigungsministerium in Washington am Mittwoch den Auftrag zurück.

Damit werden die Karten neu gemischt. Das Verfahren soll nun der neuen Regierung überlassen werden, die im Januar an den Start geht. Das Pentagon teilte am Mittwoch mit, es sei unmöglich, wie zunächst vorgesehen bis Januar einen Zuschlag zu erteilen. Das Verfahren solle nun der nächsten US-Regierung überlassen werden. Beide Unternehmen wie auch der US-Kongress seien von der Entscheidung des Ministeriums unterrichtet worden, hieß es weiter.

Statt der nächsten Regierung einen "unvollständigen und möglicherweise umstrittenen Prozess" zu übergeben, wolle Verteidigungsminister Robert Gates ihr "volle Flexibilität" in dem Verfahren ermöglichen. "Über die vergangenen sieben Jahre ist der Prozess enorm komplex und emotional geworden - in nicht geringem Maße durch Fehler und Fehltritte durch das Verteidigungsministerium", räumte Gates ein. "In der uns verbleibenden Zeit können wir den Wettbewerb in diesem hochsensiblen Umfeld nicht auf eine Weise beenden, die als fair und objektiv betrachtet würde."

Die nächste Regierung solle nun über die militärischen Anforderungen an das Flugzeug und die Strategie für den Erwerb objektiv entscheiden. Für die nahe Zukunft sei die gegenwärtige Tankerflotte ausreichend.

Ursprünglich war der Auftrag für 179 Tankflugzeuge im Wert von rund 40 Milliarden Dollar (28 Mrd Euro) Ende Februar bereits an EADS und dessen US-Partner Northrop Grumman gegangen. Boeing hatte den Zuschlag jedoch erfolgreich angefochten und eine Neuausschreibung erzwungen. Diese macht nun aber zum entscheidenden Kriterium, wie viel Sprit das Flugzeug transportieren kann. Boeing sieht sich im Nachteil, weil das bisher offerierte Modell auf Basis seiner 767- Reihe kleiner ist als die EADS-Variante eines Airbus A330.

EADS-Partner Northrop Grumman quittierte die Pentagon-Entscheidung mit "extremer Enttäuschung" und "großer Sorge". Den Streitkräften würden damit auf Jahre dringend benötigte neue Tankflugzeuge verweigert. Zugleich bekräftigte das Unternehmen, dass man den modernsten und geeignetsten Tanker zum "besten Preis für den amerikanischen Steuerzahler" produziere. EADS äußerte sich "enttäuscht" über die Verschiebung. "Wir haben einen Vertrag und wir streben nach einem angemessenen Abschluss dieses Vertrages", erklärte Konzernchef Louis Gallois. Die Entscheidung der US-Regierung habe "keine Folgen" für EADS oder das geplante Betriebsergebnis, weil der Auftrag in den Planungen nicht berücksichtigt sei.

Boeing begrüßte hingegen die Entscheidung des Ministeriums. Dadurch werde "die angemessene Zeit eingeräumt, diese wichtige und komplexe Anschaffung mit einem sorgfältigen und offenen Wettbewerbsverfahren umzusetzen", teilte ein Unternehmenssprecher mit. "Damit wird die Lieferung des richtigen Tankflugzeugs für die Luftwaffe sichergestellt und dem Interesse des Steuerzahlers am besten gedient."

Im August hatte Boeing deutlich gemacht, im Wettstreit um den Auftrag mehr Zeit zu wollen oder sich womöglich aus dem Rennen zurückzuziehen. Das Verteidigungsministerium solle den Herstellern für ihre neuen Angebote sechs Monate Zeit lassen, forderte der Chef der Boeing-Rüstungssparte, Jim Albaugh, im "Wall Street Journal". Sonst sei ein Ausstieg aus dem Verfahren sehr wahrscheinlich.

Die gegenwärtige Tankflugzeug-Flotte vom Typ KC-135 ist rund 50 Jahre alt. Boeing könnte als Alternative zum bisherigen Angebot eine größere 767-Variante anbieten oder auf die 777-Reihe umsteigen. Ein weiteres Entscheidungskriterium der Air Force sind neben der Größe die Gesamtkosten für die Maschinen über die komplette Einsatzzeit hinweg. Hier sehen einige Experten EADS bisher leicht im Hintertreffen.

Die US-Entscheidung konnte die EADS-Aktie nicht wesentlich erschüttern. Papiere der Airbus-Mutter notierten am späten Nachmittag in Paris mit 15,87 Euro um 2,25 Prozent höher als am Vorabend. Zwischenzeitlich hatte sie sogar bei 16,50 Euro notiert. Analysten erklärten, der Rückgang des Dollarkurses und der Ölpreise helfe den Sanierungsprogrammen bei EADS und der größten Sparte Airbus. Über die Aussetzung der Ausschreibung bis nach den US-Wahlen war bereits vorher spekuliert worden.

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