Pepsi verzichtet auf den Coke-Test

- Atlanta - Firmengeheimnisse des weltgrößten Getränkeherstellers Coca-Cola gehören zu den bestgehüteten. Eine Coca-Cola-Mitarbeiterin und zwei Gefolgsmänner wollten delikate Informationen des Unternehmens an den Rivalen Pepsico verkaufen. Doch der lehnte ab und warnte Coca-Cola. Die 41-jährige Frau sowie die beiden 30 und 43 Jahre alten Männer wollten Pepsico für 1,5 Millionen Dollar (1,2 Millionen Euro) hoch vertrauliche Papiere sowie Proben von neuen Coca-Cola-Produkten verkaufen.

Der Fall flog auf, weil Pepsico sofort den Konkurrenten informierte und dieser die US-Bundespolizei FBI einschaltete. Nun müssen sich die drei in Atlanta (Georgia) vor Gericht wegen Betrugs sowie Diebstahls und Verkaufs von Firmengeheimnissen verantworten.

Der Fall hat alles für einen Kriminalroman. Im Mai ging beim Limonadenhersteller Pepsico ein in New York abgestempelter Brief mit Firmenlogo des Rivalen Coca-Cola ein. Darin stellte sich eine Person als "Dirk" vor und gab an, im höheren Management von Coca-Cola zu arbeiten. "Dirk" offerierte "sehr detaillierte und vertrauliche Informationen". Pepsico sandte eine Kopie an Coca-Cola. Das in Atlanta ansässige Unternehmen schaltete sofort das FBI ein.

Ein Undercover-Agent stellte den Kontakt zu "Dirk" her. Der lieferte als erste Rate ein 14 Seiten langes, streng vertrauliches Dokument und verlangte dafür 10 000 US-Dollar (7850 Euro). "Ich muss irgendwie sehen, dass es Ihnen ernst ist, wenn ich den Glauben an eine weitere Zusammenarbeit behalten soll", schrieb "Dirk". "Ich kann sogar aktuelle Produkte und Verpackungen von bestimmten Produkten liefern, die niemand außer fünf Top-Managern zu Gesicht bekommen hat." Für die Probe verlangte der Insider 75 000 Dollar.

Bei einem Treffen auf dem Internationalen Flughafen von Atlanta übergab "Dirk" nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine braune Umhängetasche mit einem Hefter voller hoch vertraulicher Dokumente und einer Glasflasche mit der Probe eines neuen Coca-Cola-Getränks. Als Gegenleistung bekam er 30 000 Dollar in einer Keks-Dose und das Versprechen auf den Rest der Summe nach Prüfung der Probe.

In der Zwischenzeit kam Coca-Cola in Atlanta per interner Video-Überwachung der Verräterin in den eigenen Reihen auf die Spur. Das Sicherheitspersonal hielt auf einem Videoband fest, wie die Frau an ihrem Schreibtisch Akten durchging, nach Dokumenten suchte, diese in eine Tasche steckte und später auch die Produktprobe verpackte.

Der FBI-Agent bot schließlich an, auch die restlichen Firmengeheimnisse für 1,5 Millionen Dollar zu kaufen. Am Tag der vermeintlichen Geldübergabe wurde das Insider-Trio dann festgenommen.

"Wir fühlen uns dem Schutz von geistigem Eigentum verpflichtet, weil das für unsere Unternehmen entscheidend ist, um in der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts erfolgreich zu bleiben", sagte Staatsanwalt David Nahmias. Auch Pepsico habe gewusst, dass Firmengeheimnisse für jedes Unternehmen wichtig sind.

Der Sprecher von Pepsico, Dave DeCecco, sagte nach Angaben der Tageszeitung "Atlanta Journal-Constitution": "Wir haben nur getan, was jedes verantwortungsbewusste Unternehmen tun würde. Konkurrenz kann manchmal hart sein, aber sie muss auch fair und rechtmäßig sein."

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