PET-Flaschen im Test: Chemikalien im Mineralwasser

München - Billig-Mineralwasser wird immer beliebter. Doch gerade hier fand Stiftung Warentest (Juli-Ausgabe der Zeitschrift "test") chemische Substanzen, die von der Verpackung stammen.

Sie sind leichter und praktischer als Glasflaschen, aber Plastikflaschen haben einen gravierenden Nachteil: Bei der Herstellung des Kunststoffs Polyethylenterephthalat - kurz PET -, aus dem später die Flasche produziert wird, entsteht Acetaldehyd, eine farblose, stechend riechende Chemikalie, die nach der Befüllung ins Wasser übergehen kann. Und das ist bei vielen der von Stiftung Warentest getesteten Produkte geschehen: In 15 von insgesamt 30 getesteten Flaschen fanden die Tester Acetaldehyd.

Acetaldehyd-Blocker fehlt in vielen Fällen

Die Menge ist zwar relativ niedrig - sie lag zwischen 19 und 30 Mikrogramm pro Liter und laut EU-Norm dürfen bis zu 6000 Mikrogramm auf ein Kilogramm Nahrung übergehen -, aber deutlich über dem Limit von 10 Mikrogramm pro Liter, das sich die Branche selbst gesetzt hat. Mit "mangelhaft" bewerteten die Tester daher alle Mineralwässer, bei denen "der typisch fruchtig-aromatische Geschmack" der Chemikalie herauszuschmecken war. Denn "die Verpackung darf ein Lebensmittel nicht sensorisch beeinträchtigen", befindet Stiftung Warentest.

Dabei betraf das Problem nur die PET-Einwegflaschen der Handelsketten. Die Mehrwegflaschen der Sprudel-Klassiker wie Adelholzener oder Gerolsteiner dagegen nicht. Das liegt daran, dass Mehrwegflaschen, die ebenfalls aus dem Kunststoff PET hergestellt werden, mit einem Acetaldehyd-Blocker versehen werden. Er wandelt die Chemikalie in eine unkritischere Substanz um. Bei vielen Einwegflaschen wird dieser Blocker eingespart. Eine Kostenfrage: Schließlich sind die Discountprodukte mit oft nur 13 Cent pro Liter un schlagbar günstig. Das kommt bei den Verbrauchern gut an, der Marktanteil der Billig-Wässer schnellte innerhalb weniger Jahre auf über 50 Prozent. Zum Vergleich: Ein Liter Adelholzener Sanft kostet 54 Cent, ein Liter Krumbach Medium 58 Cent und der Liter Apollinaris Medium 61 Cent.

Immer mehr Menschen greifen nicht nur zu günstigerem Wasser, sondern auch zu Wasser, das weniger blubbert. Die mit "sanft", "mild" oder "medium" bezeichneten Flaschen mit weniger Kohlensäure haben einen Marktanteil von 42 Prozent. Das war den Testern Grund genug, nur diese Sorte zu untersuchen.

Keine Keime und korrekte Etiketten

Dabei stellten sie auch Positives fest: So fanden sich in keiner Flasche gesundheitsschädliche Keime und die angegebenen Mineralstoffgehalte auf den Etiketten stimmten. Die Mineralstoffzusammensetzung gibt dem Wasser seinen typischen Geschmack, den die Tester meist mit zitronig-frisch und leicht sauer beschrieben. Bei Apollinaris und Gerolsteiner sorgen die vergleichsweise hohen Mengen an Natrium und Chlorid für einen salzigen Geschmack. Die bittere Note bei Alwa, Franken Brunnen und Plus lässt sich durch hohe Mengen an Sulfat und Magnesium erklären.

Alwa, Apollinaris, Gerolsteiner, Rosbacher und ein Wasser von Plus sind die einzigen fünf mineraltsoffreichen Wässer im Test: Sie enthalten mehr als 1500 Milligramm Mineralstoffe pro Liter. Die Discountwässer haben meist deutlich weniger Kalium, Kalzium & Co. Das sei den Testern zufolge aber nur dann ein Manko, wenn man sich gezielt über Mineralwasser mit Mineralstoffen versorgen wolle. Zudem merkt Stiftung Warentest an, dass "das am besten kontrollierte Lebensmittel" das Trinkwasser aus dem Hahn sei.

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