PET: Sprengstoff für das Mehrwegsystem?

- München - Die Plastikflasche ersetzt nicht nur zunehmend das Glas als Getränkeverpackung. Es ist nicht auszuschließen, dass PET zum Sprengstoff für das gesamte Mehrwegsystem werden könnte, glaubt Rudolf Böhlke von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die eine Studie über die Entwicklung des Biermarktes bis 2015 erarbeitet hat.

Zwar müssen Verbraucher inzwischen auch für Einweg-Plastikflaschen Pfand zahlen und die Händler ein Rücknahmesystem unterhalten. Doch sticht PET das Glas dabei unter ökonomischen Gesichtspunkten aus - vor allem, wenn es als Einweggefäß verwendet wird, wie Böhlke vorrechnet: "Ein Lkw voll Mehrweg enthält 40 000 Flaschen. Das entspricht einem Gewicht von 5 Tonnen. Handelt es sich um 40 000 PET-Flaschen, beträgt das Gewicht nur noch 1,5 Tonnen." Während die Glasbehälter Böhlke zufolge 40 Paletten füllen, würden die PET-Flaschen auf 7,5 Paletten passen, wenn sie gepresst werden, und auf 1,5 Paletten, wenn sie geschreddert werden.<BR>Beim Bier setzen bisher fast nur Billigsupermärkte auf PET. Doch beim Wasser etwa wird auch im Lebensmitteleinzelhandel und in Getränkemärkten fast 60 Prozent in Plastikflaschen verkauft, wie die Marktforschungsgesellschaft AC Nielsen ermittelt hat. Die Quote hat sich in den vergangenen drei Jahren nahezu verdoppelt. Und auch beim Bier nimmt der PET-Anteil zu, glaubt Böhlke: "Es ist denkbar, dass der PET-Anteil so hoch wird, dass der Handel zwei etwa gleich große Rücknahmesysteme parallel hat: Mehrweg und PET-Einweg." <BR><BR>Angesichts des Renditedrucks dürften zwei Systeme zu aufwendig sein und eine Entscheidung zugunsten eines Systems fallen. "Dabei dürften weniger ökologische Gesichtspunkte eine Rolle spielen, wenn sie nicht verordnet werden, sondern ökonomische." Und hier liegt die Einweg-Plastikflasche wohl vorn - nicht nur wegen Gewichts- und Volumen-Vorteilen.<BR><BR>Die Logistik zwischen Brauereien und Handel wird derzeit größtenteils von Fachgroßhändlern übernommen. Sie transportieren volle Kästen von den Brauereien zu den Märkten und leere wieder zurück. Einweg-PET-Flaschen müssen dagegen nicht mehr zum Wiederbefüllen. So könnte der Fachgroßhandel nach Böhlkes Einschätzung möglicherweise eingespart werden.<BR><BR>Wenn es tatsächlich so käme, müssten sich viele Brauer wohl neue Abfüllanlagen kaufen oder Kostennachteile durch die Abfüllung bei Dienstleistern hinnehmen. Und das würde das Brauereisterben beschleunigen. Die Glasflasche wäre dann - ähnlich wie derzeit der Bügelverschluss - ein außergewöhnliches Instrument, mit dem sich kleine Betriebe als Anbieter von Spezialitäten abgrenzen können. Ob es wirklich so kommt, hängt nach Ansicht des Experten von Ernst & Young vor allem an einem: dem Verbraucher. Und daran, wie oft er zur Plastikflasche greift.

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