Peter Hartz lässt gestehen

- Braunschweig -­ Der ehemalige VW-Personalvorstand Peter Hartz hat im Prozess gegen ihn über seinen Anwalt ein Geständnis verlesen lassen. Am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Braunschweig einigten sich Hartz, Staatsanwaltschaft und Richter auf eine Absprache. Demnach hat Hartz als Gegenleistung für das Geständnis nur eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren sowie eine Geldstrafe von 300 000 Euro oder mehr zu erwarten.

Dem 65 Jahre alten Hartz wird in 44 Fällen besonders schwere Untreue und Begünstigung eines Betriebsrates vorgeworfen. Es geht dabei um den früheren Betriebsratschef Klaus Volkert, der allein auf Veranlassung von Hartz fast zwei Millionen Euro an Sonderzahlungen erhalten haben soll. Dadurch soll Hartz Betriebsvermögen von VW verschleudert haben. "Die Zahlen, die verlesen worden sind, sind richtig", sagte Verteidiger Egon Müller im Namen von Hartz, der selbst kein Wort sagte.

In dem von Müller vorgetragenen 45 Minuten langen Geständnis erhob Hartz schwere Beschuldigungen gegen den früheren Betriebsratschef Klaus Volkert. Der Gewerkschafter habe "deutlich verstehbar zum Ausdruck gebracht", dass er mehr Geld wolle. Die Forderungen hat Volkert laut Hartz "mit Nachdruck" immer wieder vorgebracht. Daraufhin habe der Personalvorstand die Sonderbonuszahlungen erfunden.

Seine Vorstandskollegen um den damaligen Vorsitzenden Ferdinand Piëch dagegen entlastete Hartz. Niemand im VW-Vorstand habe von den Zahlungen gewusst. "Der Vorstand war hierüber nicht informiert", sagte Müller im Namen von Hartz.

Auch die Bezahlung vieler Privatreisen, teurer Geschenke und anderer Privatausgaben für Volkert durch VW räumte Hartz voll und ganz ein. "Das ist damals so gewesen", ließ er sagen.

In dem Geständnis begründet Hartz das viele Geld für den Betriebsratschef mit dem besonderen Mitbestimmungsmodell bei VW. "Da herrschte eine Vertrauensseligkeit", sagte Müller für seinen Mandanten über die Zeit ab 1993. Mit Volkert habe er sich geduzt, der Betriebsratchef war dem Manager sympathisch. "Die beiden Herren verstanden sich wortlos", hieß es. Mit den Sonderbonusgeldern, ungerechtfertigten Spesen und mehr wollte Hartz "Volkert im Boot halten", sagte der Anwalt. Auch hohe und ungerechtfertigte Honorare für die brasilianische Geliebte von Volkert räumte Hartz ein. Auch diese Zahlungen habe Volkert gefordert.

Die gesamte Schadenshöhe beträgt 2,6 Millionen Euro. Die mögliche Höchststrafe für Hartz läge bei zehn Jahren Gefängnis, aber die Absprache garantiert Hartz nun eine Bewährungsstrafe. Der so genannte Deal wurde laut Vorsitzender Richterin Gerstin Dreyer schon vor dem Prozess von Staatsanwaltschaft und Verteidiger eingefädelt.

Im Prozess geht es auch um den Vorwurf, Hartz habe mit den Millionenzahlungen das Wohlwollen von Volkert erkauft, der auch VW-Aufsichtsratsmitglied war. Die Staatsanwaltschaft spricht von unrechtmäßiger Begünstigung eines Mitgliedes des Betriebsrates "um seiner Tätigkeit willen".

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