Peter Hartz: Nach dem Geständnis Aussicht auf Bewährungsstrafe

- Braunschweig -­ Mit dem Prozess gegen den früheren VW-Topmanager Peter Hartz beginnt heute nach gut eineinhalb Jahren Ermittlungen die juristische Aufarbeitung der VW-Korruptionsaffäre. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft wirft dem heute 65-jährigen Untreue in 44 Fällen und unrechtmäßige Begünstigung von Betriebsräten vor.

Der beispiellose VW-Skandal um Schmiergelder, Vergnügungsreisen und Sexpartys auf Firmenkosten hatte den Wolfsburger Autobauer bis in die Grundfesten erschüttert.

Nachdem der ehemalige VW-Arbeitsdirektor Hartz ein umfangreiches Geständnis abgelegt hat, verzichtete die Staatsanwaltschaft darauf, weitere Zeugen oder Sachverständige zu laden. Auch Prostituierte sollen nicht aussagen. Verdachtsmomente etwa um eine für Callgirl-Besuche genutzte und von VW bezahlte Wohnung und andere Vorwürfe wurden "aus Gründen der Prozessökonomie" fallen gelassen, hatte die Justiz berichtet. Etwaige Strafen deswegen fielen gegenüber der zu erwartenden Gesamtstrafe nicht ins Gewicht.

Für die Verhandlung vor dem Braunschweiger Landgericht sind daher nur zwei Prozesstage angesetzt. Hartz will selbst aussagen. Bei seiner Vernehmung hatte er die alleinige Verantwortung für die Begünstigung von Betriebsräten übernommen.

Erst unmittelbar vor Prozessbeginn hatte aber der Anwalt von Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert die Ermittler scharf angegriffen. Die Staatsanwaltschaft drohe Hartz damit, Prostituierte als Zeugen zu vernehmen, wenn er die Sonderzahlungen an Volkert nicht zugebe. Das sei unzulässiger "Kuhhandel". Auch gegen Volkert wird ermittelt. Er saß als einziger unter den 14 Beschuldigten wegen Verdunkelungsgefahr drei Wochen lang in Haft.

Hartz hat laut Anklage zugegeben, dass Volkert von 1994 bis 2005 neben seinem Gehalt so genannte "Sonderbonuszahlungen" von fast zwei Millionen Euro bekam, ohne dass dies bei VW offengelegt worden sei. Ursprüngliche Kontrollmechanismen habe der mächtige Personalvorstand abgeschafft.

Auch Volkerts Geliebter, der Brasilianerin Adriana Barros, habe Hartz hohe Summen ohne Gegenleistung zugeschanzt. Sie habe von 2000 bis 2004 insgesamt 400 000 Euro erhalten. Ein mit ihr mündlich geschlossener Agenturvertrag sei nur vorgespielt gewesen, um die Geldflüsse mit dem Schein der Legalität zu schmücken, heißt es in der 63 Seiten starken Anklageschrift. Die Ermittler sind überzeugt, dass Hartz dies gebilligt habe.

Nach den Ergebnissen der Untersuchungen habe Hartz seinen Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer 1997 auch generell angewiesen, den Betriebsratsvorsitzenden Volkert "großzügig und wertschätzend" zu behandeln und dabei "nicht kleinlich" zu sein, heißt es in der Anklage weiter. Dabei berief sich Hartz auf seine Absicht, angesichts der starken Stellung von Betriebsrat und Gewerkschaft bei VW im Interesse des Unternehmens zu handeln.

Wegen seines Geständnisses und seiner Motive wurde bereits im Vorfeld spekuliert, dass Hartz möglicherweise mit einer Bewährungsstrafe davonkommen könnte. Erst am Wochenende berichtete die "Welt" unter Berufung auf Justizkreise, Hartz komme wahrscheinlich mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren auf Bewährung davon.

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