Pfaffenwinkel ist Satelliten-Testgebiet

- München - Der Pfaffenwinkel zwischen Staffelsee, Ammersee, Lech und Osterseen gilt als einer der schönsten Flecken Bayerns. In dieser Idylle entsteht die jüngste bayerische Zukunftswerkstatt. Dort wird bald unter realistischen Bedingungen das Satellitennavigationssystem Galileo getestet.

<P>Statt in 30 Kilometern Höhe im Orbit stehen die Testsatelliten knapp über dem Erdboden: Sechs Sender vor allem auf Anhöhen rund um Weilheim angebracht, senden Signale, wie sie später auch von den echten Satelliten zur Erde gefunkt werden sollen. Dabei werden diese Signale so modifiziert, dass sie bei den Empfängern ankommen, als kämen sie tatsächlich von Satelliten. So wird es den Entwicklern von Galileo-Anwendungen (dabei handelt es sich nicht nur um Navigationssysteme) ermöglicht, ihre Projekte unter Praxisbedingungen zu testen und zu entwickeln.</P><P>Bald wird Navigation auf den Zentimeter genau</P><P>Auch wenn es die Galileo-Verantwortlichen ungern zugeben: Ihnen sitzt der Toll-Collect-Schock in den Knochen: Ein hoch ehrgeiziges Projekt, das an mangelnder Praxis-Erfahrung scheiterte. "An den Satelliten lag es nicht", sagte Günter Stamerjohanns, Chef von Galileo Industries, auf dem "Munich Satellite Navigation Summit" (Münchner Satelliten-Navigations Gipfel) über die Probleme des Mautsystems. Diese seien über die Endgeräte und unausgereifte Software gekommen.</P><P>Das soll bei Galileo nicht passieren. Deshalb wird viel Wert auf die Testbedingungen gelegt. 2006 bekommen die sechs Erdsatelliten Gesellschaft von vier echten Himmelskörpern. Diese bilden gewissermaßen das Galileo-Vorauskommando, dem voraussichtlich im Jahr 2008 die 26 restlichen Satelliten folgen werden. Die Testaufbauten im Pfaffenwinkel gehören aber noch längst nicht zum alten Eisen, wenn das System perfekt läuft. Denn in Konkurrenz nicht nur zum amerikanischen GPS-Navigationssystem - auch Japan und Russland arbeiten an kommerziellen Navigationssystemen - soll Galileo immer weiter entwickelt und dabei vor allem verfeinert werden.</P><P>30 000 Stellen allein in Bayern</P><P>"Heute weiß man über GPS, ob man auf der richtigen Straße ist", sagt Günter Hein vom Institut für Erdmessung und Navigation an der Universität der Bundeswehr. Wenn Galileo läuft, könne ein Gerät Alarm schlagen, wenn man die richtige Straßenseite verlässt. Und in Zukunft geht es um zentimeter- oder millimetergenaue Ortung. Mit der Genauigkeit von Galileo wächst auch die Zahl möglicher Anwendungen, etwa bei der Vermessung oder der Konstruktion. Und alles will vorher getestet sein.<BR>Denn Galileo soll vor allem ein wirtschaftlicher Erfolg werden. 100 000 Arbeitsplätze werden erwartet, davon 30 000 in Bayern. Jeder Euro kommt fünfmal wieder herein, sagt Martin Ripple, Direktor des Galileo-Programms bei der EADS.<BR><BR>Doch wie kommt das Geld herein? Die Satelliten werden zunächst mit Mitteln der beteiligten Staaten entwickelt und in den Orbit gebracht. Und das Signal gibt es - wie bei Funkwellen üblich - kostenlos. Verdient wird an den Chips, die das Signal von Galileo verarbeiten können. Diese Chips, die in Handys, Fotokameras und andere Geräte eingebaut werden können, sollen zwar voraussichtlich unter einem Euro zu haben sein; doch die Masse bringt in diesem Fall das Geld. Darüber hinaus werden von Galileo auch kostenpflichtige "Premium-Dienste" angeboten.</P><P>Der Streit mit den USA über das System ist mittlerweile bis auf Formfragen ausgeräumt: Die Europäer kommen den militärischen Frequenzen des US-GPS-Systems nicht in die Quere, und die Vereinigten Staaten verzichten darauf, die Galileo-Signale zu stören. Eine Abschaltung wie bei GPS während bestimmter US-Militäraktionen wird es nicht geben. Dafür können Galileo-Nutzer zu normalen Zeiten auch die Signale von GPS verwerten. Das steigert die Genauigkeit zusätzlich.</P>

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