Pfiffe von Mitarbeitern, Lob von Aktionären

Telekom-Hauptversammlung: - Begleitet von bundesweiten Warnstreiks hat Telekom-Chef René Obermann auf der Hauptversammlung die geplante Auslagerung von 50 000 Stellen verteidigt. Auch durch München zog ein Protestzug von Telekom-Mitarbeitern, die um ihre Arbeitsplätze und ihr Auskommen fürchten.

Köln/München - Wie schlecht die Stimmung unter den Telekom-Beschäftigten ist, war bei der Hauptversammlung nicht zu überhören: Ein gellendes Pfeifkonzert einiger Dutzend Belegschaftsaktionäre begleitete die Rede von Vorstandschef René Obermann. Der trug wenig zur Beruhigung bei: Obermann drohte mit dem Verkauf von Teilen des Servicebereichs an Drittanbieter, falls die Gewerkschaft Verdi nicht doch Lohnkürzungen für 50 000 Mitarbeiter akzeptiert.

"Ich sehe in die Augen von Beschäftigten, die Angst haben - dass sie ihre Miete nicht mehr zahlen können oder die Ausbildung ihrer Kinder", sagte Betriebsrat Reinhold Edbauer. Obermann wisse, dass Verdi seine Bedingungen nicht annehmen könne. Deshalb bestehe der Verdacht, dass er den Verkauf der Service-Einheiten von vornherein geplant habe.

Zur Entspannung trug sicher auch nicht bei, dass der Telekom-Aufsichtsrat am Abend zuvor den neuen Personalvorstand Thomas Sattelberger gegen die Stimmen der Arbeitnehmerseite ins Amt gehoben hatte. Obermann wirkte nervös, als er vor rund 8500 Aktionären erneut versuchte, Verständnis zu erreichen. Mehrfach ließ er sich von Pfiffen und Zwischenrufen aus dem Konzept bringen. Die Telekom wolle die Arbeitsplätze im Service und den Callcentern der Festnetzsparte T-Com im Konzern halten, versicherte er. Dazu müssten aber für die geplanten T-Service-Gesellschaften die Kosten dem deutlich niedrigeren Marktniveau angenähert werden.

Fast trotzig ging Obermann zum Gegenangriff über: Dieselbe Gewerkschaft Verdi, die bei der T-Com auf Besitzstandswahrung bestehe, habe "mit Wettbewerbern zu erheblich niedrigeren Bedingungen Tarifverträge abgeschlossen", kritisierte er.

Die Tarifverhandlungen für T-Service waren vor einer Woche gescheitert. Heute will Verdi die Urabstimmung über unbefristete Streiks beschließen.

Auch Obermanns Ankündigung, der Vorstand werde auf ein Monatsgrundgehalt, er selbst sogar auf zwei Monatsgrundgehälter verzichten, besänftigte Obermanns Kritiker nicht. Für Unmut sorgt zudem, dass die Telekom fast den gesamten Gewinn des Jahres 2006 als Dividende an die Aktionäre ausschüttet, statt stärker in das Unternehmen zu investieren.

Telekom-Betriebsrätin Kornelia Dubbel warf dem Management vor, für die beklagten Schwächen im Service selbst verantwortlich zu sein. So müssten die Telekom-Mitarbeiter mit maroden und überkomplizierten Computersystemen arbeiten. Der Personalabbau der vergangenen Jahre sei völlig überzogen gewesen, die ständigen Umstrukturierungen überstiegen die Zumutbarkeitsgrenzen.

"Das Management hat es verbockt, die Mitarbeiter sollen zahlen", kritisierte Dubbel. Statt durch bessere IT-Ausrüstung die Produktivität zu verbessern, beleidige und bedrohe das Management die Mitarbeiter, werfe ihnen Besitzstandsdenken oder "Ausruhen im Job" vor. Dabei sei es das Engagement eben dieser Mitarbeiter, das trotz 18 Umstrukturierungen in nur elf Jahren dafür sorge, dass das Unternehmen nicht schon zusammengebrochen sei. Wenn die Telekom in Europa die Nummer eins im Service werden wolle, müsse sie auch "Marktführer in Sachen Arbeitsbedingungen und Bezahlung sein".

Trotz allem: Eine Mehrheit der Investoren und Aktionäre bedachte Obermanns Sparpläne mit Beifall. Klaus Kaldenmorgen von der Fondsgesellschaft DWS erklärte, der alte Telekom-Vorstand habe trotz alarmierender Verluste von Marktanteilen zu lange auf Zeit gespielt. Obermann, der seit November 2006 im Amt ist, habe ausdrücklich Unterstützung für den Versuch, die Kostenstruktur an den Markt anzupassen.

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