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Wer im Alter pflegebedürftig wird, muss laut einer Studie im Schnitt 31 000 Euro selbst zahlen. Regierung und Versicherer werben daher für eine private Zusatzvorsorge.

Pflege-Bahr schon vor dem Start umstritten

München – Pflege im Alter kann teuer werden. Die Regierung setzt mit dem Pflege-Bahr auf private Vorsorge. Während Versicherer das Angebot begrüßen, bleiben Verbraucherschützer skeptisch.

Die Zahlen sind erschreckend: Wer pflegebedürftig wird, muss im Schnitt 31 000 Euro selbst zahlen. Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der Kosten. Im Extremfall kann die Eigenbelastung sogar bei mehr als 300 000 Euro liegen, ergab eine Studie der Barmer GEK (wir berichteten). Die Regierung sieht sich durch die Zahlen bestätigt. Mit einer staatlichen Förderung will sie den Anreiz erhöhen, eine private Zusatzversicherung abzuschließen.

Der Pflege-Bahr – benannt nach Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) – startet Anfang des Jahres. Wer monatlich zehn Euro in eine private Police zahlt, wird mit fünf Euro vom Staat belohnt. Vor allem Geringverdiener sollen ermutigt werden, für den Pflegefall vorzusorgen. Für den Pflege-Bahr gibt es keine Gesundheitsprüfung. Allerdings gilt eine Wartezeit von fünf Jahren. Wer 2013 abschließt, kann also frühestens 2018 Leistungen bekommen.

Knapp zwei Millionen private Pflegezusatzversicherungen gibt es derzeit. „Bisher schließen vor allem Besserverdiener eine Pflegezusatzversicherung ab“, sagt Birgit König, Vorstandsvorsitzende der Allianz Private Krankenversicherungs-AG. Geringverdiener setzten dagegen darauf, ihre Angehörigen selbst zu Hause zu pflegen. Eine gefährliche Fehleinschätzung: „Pflege bedeutet enormen Druck für die pflegenden Angehörigen“, betont König. Die meisten würden es daher emotional und körperlich nicht schaffen, pflegebedürftige Familienmitglieder dauerhaft zu Hause zu pflegen.

Wer im Pflegefall nicht das eigene Haus verkaufen will, müsse möglichst frühzeitig vorsorgen, so König. „70 Prozent der Deutschen haben nicht genug Geldvermögen, um die drohende Pflegelücke zu schließen.“ Den Pflege-Bahr hält König für einen „guten ersten Schritt“. Gerade für junge Leute bis etwa 35 Jahren sei das Angebot attraktiv. „Bei jungen Leuten lässt sich mit einem monatlichen Mindestbeitrag von 15 Euro die Pflegelücke im Alter schließen.“ Bei einem späteren Abschluss käme man mit dem Mindestbeitrag dagegen nicht so weit. Dann sei der Pflege-Bahr wie die gesetzliche Pflegeversicherung nur eine Teilkasko-Versicherung, erläutert König.

Verbraucherschützer sehen den Pflege-Bahr weitaus kritischer. Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten befürchtet, dass durch den Wegfall der Gesundheitsprüfung vor allem diejenigen eine Police abschließen, die bisher keinen Vertrag bekommen haben. „Die jungen Versicherten wählen dagegen weiter einen Tarif mit Gesundheitsprüfung“, so Kleinlein. Das Problem: Wenn in einem Tarif vor allem Ältere versichert sind, dürften die Prämien drastisch steigen. Sein Fazit: „Jüngere sollten die Finger vom Pflege-Bahr lassen.“

König weist die Kritik zurück: „Wir rechnen nicht damit, dass nur Ältere vom neuen Pflege-Bahr Gebrauch machen.“ Gerade für Jüngere sei das Angebot interessant. „Wir erwarten daher nicht, dass die Beiträge beim Pflege-Bahr – wie oft behauptet – durch die Decke gehen.“

Ob sich der Pflege-Bahr lohnt, darauf will sich Stiftung Warentest noch nicht festlegen. Zunächst müssten die Angebote der Versicherungen auf dem Tisch liegen, sagt Ulrike Steckkönig. „Eine Pflegetagegeldversicherung kann durchaus sinnvoll sein, wenn man die Beiträge auch dauerhaft zahlen kann.“ Müsse der Vertrag vorzeitig gekündigt werden, seien alle bisher geleisteten Beiträge verloren. Steckkönig empfiehlt auch eine gründliche Prüfung der Konditionen. „Die Versicherung sollte auch in Pflegestufe 1 und 2 vernünftige Leistungen bieten“, so Steckkönig. Denn die überwiegende Mehrzahl der Pflegebedürftigen sei in diesen beiden Pflegestufen. „Eine Versicherung, die nur in der höchsten Pflegestufe umfangreiche Leistungen bietet, bringt ihnen nicht viel.“

Steffen Habit

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