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Hilfe im Alter bietet langfristig gute Perspektiven. Der stark wachsende Bedarf erzwingt laut einer Studie, dass der Beruf für Fachkräfte attraktiver gemacht wird.

Studie

Pflege-Gehälter werden deutlich steigen

München - Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland wächst rasant und mit ihr der Bedarf an Pflegeplätzen und Fachkräften. Deren Einkommen werden laut einer Studie zufolge deutlich ansteigen.

Rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland sind auf Pflege angewiesen. Diese Zahl wird nach einer Studie bis 2030 auf 3,3 Millionen ansteigen. Dazu werden 371.000 stationäre Pflegeplätze zusätzlich gebraucht. Diese Zahlen nennt der Pflegeheim-Rating-Report 2013, den das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI, das Institute for Health Care Business und die Unternehmensberatung Accenture vorgestellt haben. Die Studie errechnete bis 2030 einen Investitionsbedarf zwischen 54 und 73 Milliarden Euro und vor allem 331 000 zusätzliche Mitarbeiter auch in der ambulanten Pflege.

Kann man so viel Personal in knapp zwei Jahrzehnten rekrutieren? Man kann, sagt Boris Augurzky, Mitautor der Studie, gegenüber unserer Zeitung. Das könne man rückblickend an der großen Zahl neuer Pflegekräfte sehen, die von 2000 bis 2011 gewonnen wurden. 2011 arbeiteten 952 000 Menschen in Deutschland in der stationären und ambulanten Pflege. „Wenn man die Stellen besetzen will, muss man sie attraktiver gestalten“, sagt Augurzky.

Das heißt in erster Linie mehr Geld. Hier betrachtet Augurzky bereits eine entsprechende Entwicklung. Während Pflegehelfer kaum über das Mindestlohnniveau von neun Euro die Stunde hinauskommen, können nach seinen Beobachtungen die 277.000 Pflege-Fachkräfte bereits besser verhandeln.

Sie werden nicht nur in Deutschland gesucht. Aus der Schweiz werden Fachkräfte bereits mit viel Geld abgeworben. Gehälter bis zu 70.000 Franken kursieren nicht nur im Internet. Das sind umgerechnet rund 56.000 Euro. Selbst wenn man die geringere Kaufkraft in der Schweiz berücksichtigt, liegt ein fairer Vergleich bei 50.000 Euro.

Dagegen kommen Pflegekräfte in Deutschland nach unterschiedlichen Tarifen selbst in den besten Fällen nicht über 40.000 Euro hinaus. Auch in Luxemburg arbeitende Pflegekräfte haben Monat für Monat sogar 1000 bis 1500 Euro netto mehr auf dem Konto als ihre Kollegen mit Arbeitsplatz in Deutschland.

Doch steigende Gehälter allein reichen offenbar nicht aus, um den kommenden Bedarf zu decken. Es müsse dazu, so Augurzky, die Frauenerwerbsquote steigen. Auch ausländische Kräfte werden künftig gebraucht. Dabei geht es nicht mehr so sehr um Osteuropa, auch in Asien werden inzwischen zunehmend Pflegekräfte für Deutschland angeheuert.

Doch auch das Umfeld der Pflegebedürftigen wird sich ändern. So können zahlreiche Pflegeheime viele dafür gedachte Zimmer nicht mehr mit zwei Personen besetzen, weil die Bewohner das nicht wollen. Zwar gebe es in den Heimen mittlerweile nur noch 40 Prozent Zimmer für mehrere Bewohner. Der Bedarf dafür liegt nach Augurzkys Einschätzung aber bei nur 20 Prozent. Meist sind es Ehepaare, die gemeinsam ins Heim gehen oder alte Menschen, die mehr Ansprache wünschen, als sie in einem Einpersonenzimmer bekommen.

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Wenn Heime derart am Bedarf vorbeiwirtschaften, kann das für sie oder ihre Träger existenzgefährdend sein, weil sie nur bei einer möglichst hohen Auslastung ihre Kosten decken und Gewinn erwirtschaften können. Schon die 92 Prozent durchschnittliche Auslastung, die die Studie für Bayern errechnete, gilt als schlecht.

Mehr Wachstum als bei Heimen erwartet die Studie für Wohnformen für Ältere, bei denen die Senioren, wie es die meisten von ihnen wünschen, in den eigenen vier Wänden bleiben können. „Dafür müssen Angebote geschaffen werden“, sagt Augurzky. Er denkt dabei an seniorengerechtes betreutes Wohnen mit angeschlossenem ambulanten Pflegedienst, der bei Bedarf zur Verfügung steht.

Martin Prem

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