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Sicherheit im Alter: Wer sich auf die gesetzliche Pflegeversicherung nicht verlassen will, sollte zusätzlich privat vorsorgen – etwa mit einer Pflegetagegeld-Versicherung.

Pflege: Richtige Absicherung fürs Alter

München - Gute Pflege ist teuer - daran ändert auch die geplante Pflegereform wenig. Vor allem Frauen sollten privat vorsorgen. Stiftung Warentest hat daher 30 Tarife für Pflegetagegeld geprüft. Ergebnis: Nur wenige Angebote bekommen die Note gut.

Wer heute pflegebedürftig wird, erhält Unterstützung von der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Kasse übernimmt allerdings nur einen Teil der Kosten. Streng genommen handelt es sich also bei der Pflegeversicherung um eine „Teilkaskoversicherung“. Dies wird sich auch durch die schwarz-gelbe Pflegereform nicht ändern. Mit der geplanten Zusatzprämie soll lediglich der Beitragssatz von derzeit 1,95 Prozent (Kinderlose 2,2 Prozent) stabilisiert werden.

Finanzielle Lücke bis 2200 Euro im Monat

Wie viel Geld die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt, hängt von der Pflegebedürftigkeit ab. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) gruppiert die Betroffenen dazu in eine von drei Pflegestufen ein. Für die höchste Pflegestufe III gibt es derzeit meist nicht mehr als 1510 Euro im Monat. Ein Platz im Pflegeheim kostet jedoch 3000 bis 4000 Euro im Monat.

Wie viel Geld man in 20 oder 30 Jahren benötigt, um eine gute Pflege zu bezahlen, lässt sich kaum abschätzen. Anhand von aktuellen Daten hat Finanztest daher berechnet, was heute eine professionelle Versorgung kostet. Davon wurde der Anteil abgezogen, den die gesetzliche Pflegeversicherung derzeit übernimmt. Übrig bleiben jedoch große Lücken: Bei Pflegestufe I und Betreuung zuhause ermittelte Finanztest eine Lücke von rund 500 Euro im Monat. Bei gleicher Pflegestufe und Unterbringung im Heim sind es bereits 700 Euro. Die größte Lücke stellten die Experten bei einer häuslichen Versorgung bei Pflegestufe III fest. Hier fehlen bis zu 2200 Euro im Monat.

Die meisten werden zuhause gepflegt

Um die Lücke zu schließen, gibt es Pflegetagegeld-Versicherungen. Sie zahlen im Pflegefall pro Tag einen vereinbarten Betrag. Meist wird erst bei Pflegestufe III die volle Summe ausbezahlt. Wichtig ist jedoch, dass die Leistungen in den Stufen I und II nicht zu gering ausfallen. Immerhin sind derzeit rund 88 Prozent der Pflegebedürftigen in diesen beiden Stufen - die meisten werden zuhause versorgt.

Höhere Prämien für Frauen

Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Tarife hängt von Alter und Geschlecht ab. Wer beim Abschluss älter ist, zahlt mehr als jüngere Neukunden. Frauen zahlen zudem mehr als Männer. Der Grund: Frauen leben länger als Männer. Ihr Risiko, später einmal ein Pflegefall zu werden, ist daher deutlich höher. Frauen leben aber oft auch mit älteren Partnern zusammen. Das bedeutet: Wenn sie pflegebedürftig werden, haben sie oft niemanden mehr, der sich um sie kümmert. Frauen brauchen daher eine höhere Absicherung.

Rund 70 Euro Monatsbeitrag zahlt eine Frau im Finanztest-Modell, die mit 55 Jahren abschließt. Sie bekommt dafür in den gut bewerteten Tarifen in Pflegestufe I bei häuslicher Betreuung monatlich zwischen 336 Euro und 750 Euro. Ein gleich alter Mann zahlt 55 Euro und erhält im Pflegefall zwischen 468 und 1050 Euro (siehe Tabelle). Das beste Qualitätsurteil für Frauen erhielt der Tarif PET der DKV, für Männer der Tarif PZTBest der Allianz.

Kranke bekommen keinen Vertrag

Es lohnt sich, eine Versicherung möglichst frühzeitig abzuschließen. Denn je älter jemand bei Vertragsschluss, desto teurer wird es. Wer etwa erst mit 65 Jahren unterschreibt und die gleichen Leistungen haben möchte wie jemand, der mit 55 abschließt, zahlt fast doppelt so hohe Beiträge. Hinzu kommt: Wer unter einer schweren oder chronischen Krankheit leidet, hat kaum eine Chance, eine Versicherung zu finden, die ihn aufnimmt.

Grundsätzlich sollte nur derjenige eine Pflegetagegeld-Versicherung abschließen, der sich die Beiträge auf Dauer leisten kann. Wer die Versicherung kündigen muss, verliert den Schutz und bekommt im Pflegefall keine Leistungen. Die Beiträge vorübergehend auszusetzen, ist nur ausnahmsweise auf Nachfrage möglich.

Steffen Habit

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