Pflegekosten: So setzen Sie sich bei der Versicherung durch

- Die Pflegekassen, erst vor zehn Jahren gegründet, stoßen an ihre finanziellen Grenzen. Die Zahl der Pflegebedürftigen aber wächst und wächst. Für Betroffene wird es nach Beobachtung von Verbraucherschützern zunehmend schwerer, Leistungen aus ihrer Pflegeversicherung zu bekommen. Jeder dritte Antrag wird abgelehnt. Der Medizinische Dienst (MD) der Krankenkasse klärt die Pflegebedürftigkeit eines Patienten bei einem einzigen Besuch. Steht der Besuch des Gutachters an, sollten Kranke wie Angehörige gut vorbereitet sein.

<P class=MsoNormal>"Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Hilfebedarf inzwischen auch nach Kassenlage beurteilt wird", so die Erfahrung von Gudrun Matusch, Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Wir spüren die Tendenz, den Pflegebedarf eher geringer einzustufen, als er tatsächlich ist", sagt auch Kollegin Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen. Damit könnten die Kassen viel Geld sparen. Ulrike Steckkönig von "Finanztest" hält es ebenfalls für "möglich, dass besonders die hohen Pflegestufen nicht mehr so schnell vergeben werden".</P><P class=MsoNormal>Antrag</P><P class=MsoNormal>Wer die Pflegeversicherung in Anspruch nehmen will, darf vor allem keine Zeit verlieren. Ein Antrag bei der Pflegekasse sollte möglichst rasch nach Auftreten oder Diagnose der Erkrankung gestellt werden. Denn entscheidend für den Beginn einer finanziellen Unterstützung ist der Tag, an dem der Antrag eingeht. Wer zu lange zögert, verliert unter Umständen viel Geld.</P><P class=MsoNormal>Begutachtung</P><P class=MsoNormal>Und dann heißt es gerüstet sein, wenn der Medizinische Dienst zur Begutachtung des Alltags kommt. Geprüft wird unter anderem, ob sich der Patient noch allein waschen und kämmen kann, ob er Hilfe braucht beim Essen, Anziehen, Gehen. Wichtig ist auch, wie viel Zeit er für alltägliche Verrichtungen braucht. "Von der Momentaufnahme bei diesem einen Termin hänge fast alles ab", berichtet Matusch. Schon einige schönfärberische Details bei der Beantwortung der vielen Fragen könnten über die Einstufung in eine der drei Pflegekategorien entscheiden - oder auch über die komplette Ablehnung.</P><P class=MsoNormal> "Den Patienten beim Besuch des MD niemals alleine lassen", rät Hubloher. Pflegende Angehörige oder eingeschaltete Pflegekräfte sollten immer dabei sein. Vor allem, wenn die Kranken altersverwirrt sind. "Ältere Menschen neigen aus Stolz und Scham dazu, Probleme zu verharmlosen und zu sagen: ,Ich kann aber alleine zur Toilette, obwohl das nicht der Fall ist", erzählt die Gesundheitsreferentin. Wer die Pflegesituation kennt, sollte dann ruhig allzu positive Darstellungen zurechtrücken. Falsche Eindrücke sind im Nachhinein kaum wieder zu korrigieren.</P><P class=MsoNormal> Zur Vorbereitung gehört auch, ein Pflegetagebuch zu führen. 14 Tage vor dem angekündigten Gutachtertermin sollte damit begonnen werden, Zeitbedarf und Aufwand der Pflege genau zu notieren. "Also täglich Protokoll führen, wie viel Unterstützung der Kranke beim Waschen braucht, beim Aufstehen, Zubettgehen, Treppensteigen, Trinken und wie oft man nachts noch helfen muss", erläutert Hubloher.</P><P class=MsoNormal> Ratsam ist auch, sämtliche Dokumente parat zu haben, die die Krankengeschichte aufzeigen und den Pflegebedarf klar machen können. Vor allem, wenn es um eine gewünschte Höherstufung des Kranken geht.</P><P class=MsoNormal>Entscheidung</P><P class=MsoNormal>Etwa vier bis sechs Wochen dauert es, bis die Kasse über mögliche Leistungen entschieden hat. "Allein 2004 gab es insgesamt 1,3 Millionen Begutachtungen", sagt Alexander Wagner, Statistiker beim Medizinischen Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen. Dass jeder dritte Antrag abgeschmettert wird, sei keine neue Entwicklung, betont Wagner.</P><P class=MsoNormal>Widerspruch</P><P class=MsoNormal>Erhalten Betroffene eine Ablehnung oder eine niedrigere Pflegestufe als beantragt, können sie dagegen Widerspruch einlegen. "Wir merken jedoch, dass auch ein Widerspruch zunehmend keine Aussicht auf Erfolg mehr hat", berichtet Matusch. Wer mit seinem Bescheid nicht einverstanden sei, müsse immer häufiger zum Sozialgericht gehen und klagen. "Und dass die Schwelle zur Klage bei den meisten Versicherten sehr hoch ist, das wissen auch die Kassen."</P>

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