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Pfleiderer-Vorstandschef Hans Overdiek.

Es geht um 300 Millionen Euro: Pfleiderer hofft auf Staatshilfe

München - Der Möbel- und Bauzulieferer Pfleiderer hofft angesichts der immer schlechteren Geschäftslage auf möglichst hohe finanzielle Hilfe vom Staat.

“Idealerweise gehen wir auf den Maximalbetrag“, sagte Finanzvorstand Heiko Graeve am Dienstag bei der Hauptversammlung in München. Dies würde eine Summe von 300 Millionen Euro bedeuten, die als Kredit von der staatlichen Förderbank KfW beantragt werden müsste, ergänzte er am Rande der Veranstaltung. Zusätzlich werde eine Staatsbürgschaft in dreistelliger Millionenhöhe geprüft.

Daneben verhandelt der Konzern mit seinen Banken über Kreditlinien und prüft die Schließung von Werken. “Niemandem in der Industrie, auch nicht bei Pfleiderer, ist damit gedient, Werke mit Auslastungen von 70 bis 80 Prozent dauerhaft zu fahren“, sagte Vorstandschef Hans Overdiek. Ein Abbau von Arbeitsplätzen sei nicht zu vermeiden.

Anders als erwartet habe sich die Lage im zweiten Quartal weiter verschlechtert. Einen Verlust im Gesamtjahr schloss der Vorstandschef ausdrücklich nicht aus. Noch im Mai hatte Overdiek von einem “Lichtschimmer am Ende des Tunnels“ gesprochen, diese Einschätzung aber bereits in der vergangenen Woche korrigiert und damit die im MDAX notierte Aktie auf Talfahrt geschickt. Zeitweise verlor sie rund 13 Prozent auf 4,25 Euro. Am Dienstag legte sie wieder zu.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warf dem Unternehmen vor, sich immer wieder zu optimistisch geäußert und die Aktionäre dann enttäuscht zu haben. “Ich frage mich, woher dieser Optimismus bei Pfleiderer kommt“, sagte SdK-Sprecher Christoph Öfele. Er äußerte sich besorgt über die Lage des Unternehmens. Pfleiderer habe “hinten und vorne kein Geld“ und deshalb Staatshilfe beantragen müssen.

Die langfristigen Schulden des Unternehmens lagen zuletzt bei 660 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr war der Umsatz des Konzerns um 3,6 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro gesunken, der Gewinn brach von 84,3 auf 22,3 Millionen Euro ein. Die Aktionäre erhalten für 2008 keine Dividende. Im ersten Quartal setzte sich der Abwärtstrend fort und unter dem Strich stand nur noch ein minimaler Gewinn von 0,1 Millionen Euro.

Angesichts der schwierigen Lage will Pfleiderer in diesem Jahr 80 Millionen Euro einsparen. Ein Teil davon soll auch durch Stellenabbau erreicht werden. Overdiek sprach von “schmerzlichen Anpassungsprozessen“ beim Abbau der Belegschaft. Als Größenordnung nannte er mindestens 200 Stellen. “Ob das ausreicht, wird sich zeigen.“ Zuletzt beschäftigte das Unternehmen rund 5700 Mitarbeiter.

dpa

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