"Pfundskerl" verpasst beinahe seinen Auftritt

- München - Beinahe hätte Klaus Kleinfeld seinen ersten Auftritt vor den Siemens-Aktionären verpasst. Er war so in seine Unterlagen vertieft, dass er nicht merkte, wie ihn Aufsichtsrats-Chef Karl-Hermann Baumann zu Beginn der Hauptversammlung aufrief. 11 000 Aktionäre warteten auf eine Reaktion des neuen Siemens-Chefs. Von seinen Kollegen angestoßen, schaute er um sich, sprang schließlich auf und entschuldigte sich mit einem spitzbübischen Grinsen.

<P>Den Aktionären gefiel das. Sie applaudierten dem Mann, der seit gestern Abend neuer Siemens-Chef ist.</P><P>Der 47-jährige Diplom-Kaufmann und Dr. rer. pol. kommt mit seiner Art ähnlich gut an wie sein Vorgänger Heinrich von Pierer. Verbindlichkeit und Offenheit lobte dieser auch als gute Führungs-Eigenschaft bei Kleinfeld. Und so werden dem neuen Konzern-Leiter aus vielen Richtungen Vorschusslorbeeren gereicht. "Er ist ein großartiges Talent und ein Pfundskerl. </P><P>Damit wird er auch ein erstklassiger Siemens-Chef werden", urteilt der renommierte Unternehmensberater Roland Berger. Arbeitnehmervertreter halten Kleinfeld zugute, dass er in seinen bisherigen Funktionen keine größeren Konflikte mit der Belegschaft ausgelöst habe. Und innerhalb der Kollegen wird dem gebürtigen Bremer viel zugetraut. So wie Pierer könne Kleinfeld zwölf Jahre im Amt bleiben, glaubt ein Manager. "In den ersten vier Jahren steht ihm Pierer zur Seite, in den zweiten kann er alle Weichenstellungen vornehmen, die ihm wichtig sind, und in den letzten vier Jahren kann er dann selbst seinen Nachfolger aufbauen."</P><P>Allerdings wurde er von Aktionären auch gewarnt, dass er "in große Fußstapfen" trete. Der Konzern stehe gut da. Aktionismus an der falschen Stelle könne schaden. Es bleibt ihm trotzdem genug zu tun, etwa eine Lösung für die Kommunikationssparte umzusetzen und die Qualitätsprobleme zu beheben, die unter anderem bei Combino-Trambahnen und Handys der 65er-Serie offenbar wurden. Im zeitweise kriselnden US-Geschäft von Siemens hat Kleinfeld als Aufräumer gute Arbeit geleistet. Das brachte ihm vor einem Jahr einen Vorstandsposten ein. </P>

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