Phantom-Investor: Was plant der Mann hinter dem Hedge-Fonds TCI?

- München - Wenn SPD-Chef Franz Müntefering an Christopher Hohn denkt, schwirrt ihm wohl eine Phasmatodea durch den Kopf, eine Gespenstschrecke. Hohn ist nicht nur Gründer des Hedge-Fonds TCI und der Mann, der den Chef der Deutschen Börse stürzte. Er scheut auch die Öffentlichkeit. Weder Nachrichtenagenturen noch Internet-Suchmaschinen können ein Bild von ihm vorweisen. Und man kann nur raten, was der Phantom-Investor als Nächstes mit der Deutschen Börse vorhat.

<P class=MsoNormal>Als Christopher Hohn im Januar erstmals seinen Unmut über die Führung der Deutschen Börse verlautbarte, nahm ihn kaum jemand ernst. Börsen-Chef Werner Seifert verwies darauf, dass er seine Aktien doch erst drei Monate halten müsse, ehe er eine Hauptversammlung einberufen und den Aufsichtsrat absetzen kann. Inzwischen ist Seifert abgesetzt, Aufsichtsrats-Chef Rolf Breuer demnächst auch und Hohns Aktienpaket ist 40 Prozent mehr wert. Um so viel stieg der Deutsche-Börse-Kurs seit Januar.</P><P class=MsoNormal>Darüber können sich viele mit Hohn freuen. Denn obwohl der 38-jährige Fonds-Chef mit deutschen und jamaikanischen Vorfahren als Rädelsführer der meuternden Investoren auftrat, besitzt er nur acht Prozent der Anteile an dem Börsenbetreiber. Die Frage ist: wie lange noch?</P><P class=MsoNormal>Weltweit eine Billion Dollar in Hedge-Fonds</P><P class=MsoNormal>TCI ist nach Angaben der "Financial Times" einer der erfolgreichsten Hedge-Fonds. Diese spekulieren auf Anstieg oder Absacken der Preise von Wertpapieren, Devisen oder Rohstoffen. Ihre teilweise hoch riskanten Investmentstrategien beinhalten Spekulationen mit geliehenen Geldern, extrem komplizierte Derivat-Produkte und weitere Aktionen, die andere Investmentfonds nicht anwenden dürfen. Die Zahl der Hedge-Fonds in aller Welt hat sich innerhalb von 15 Jahren von weniger als 1000 auf rund 9000 erhöht. Die von ihnen verwalteten Gelder der Anleger sind um das 30-fache auf mehr als eine Billion Dollar gestiegen.</P><P class=MsoNormal>Hedge-Fonds wurden in der Vergangenheit behördlich nur relativ schwach überwacht, weil sie traditionell nur für die ganz Reichen da waren. Jetzt kommt jedoch ein immer größerer Teil der Gelder von Versicherungen und Pensionskassen und damit indirekt von Konsumenten. Die gigantischen Mittelzuflüsse könnten für das globale Finanzsystem gefährlich werden. Der Fast-Zusammenbruch des amerikanischen Hedge-Fonds Long-Term Capital Management im Jahr 1998 mit Milliardenverlusten hatte die Finanzwelt, den Internationalen Währungsfonds und die Aufsichtsbehörden aufgerüttelt. Was geschieht beispielsweise, wenn die Hedge-Fonds-Investoren plötzlich in großem Stil Gelder abziehen und die Hedge-Fonds Anlagen verkaufen müssen, um die Investoren auszuzahlen? Hiervor hatte US-Notenbankchef Alan Greenspan noch vor wenigen Tagen gewarnt. Die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC hat die Aufsichtsregeln für die bisher weitgehend unregulierten Hedge-Fonds mit Wirkung vom 1. Februar 2006 verschärft.</P><P class=MsoNormal>Im Fall der Deutschen Börse steht die Eigenheit von Hedge-Fonds im Vordergrund, meist kurzfristig zu investieren. Der Fonds steigt ein, fordert Reformen, die den Kurs treiben, und lässt das Unternehmen wieder fallen. An diesem Punkt wäre nun auch TCI bei der Deutschen Börse. Zwar betont Hohn, ein langfristig orientierter Investor zu sein. Doch Aussagen von TCI-Verantwortlichen über ihre weiteren Absichten - Fusion mit einer anderen Börse oder nicht - verwirren. In einem Punkt setzt Hohn zweifelsfrei auf eine langfristige Perspektive. Die Hälfte der Verwaltungsgebühr seines Fonds fließt an eine Stiftung, die Kinderprojekte und Aids-Bekämpfung in Afrika und Asien unterstützt. Hohns Privatvermögen wird auf 100 Millionen Euro geschätzt.</P>

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