Pharmaindustrie: Wie deutsche Kliniken punkten

- München - Ob rezeptfreie Hautcreme oder verschreibungspflichtiges Antibiotikum - der deutsche Pharma- und Gesundheitsmarkt ist zuletzt deutlich gewachsen. Im zweiten Quartal dieses Jahres stiegen die Umsätze von Apotheken, Einzelhändlern und Drogerien mit Gesundheitsprodukten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast sechs Prozent auf 8,45 Milliarden Euro, wie das Marktforschungs-Unternehmen AC Nielsen ermittelt hat. Dies sieht man auch beim Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie als "positives Signal".

Trotzdem sei die Branche "schlicht und ergreifend klamm wegen der starken Regulierungen im Gesundheitswesen", erklärte eine Sprecherin. Es sei teilweise attraktiver, ins Ausland zu gehen - mit Produktion und Forschung. Zumindest einen Trumpf hat Deutschland aber auch in diesem Bereich: Bei klinischen Studien, also der Erprobung von Präparaten an Test-Patienten, setzen selbst ausländische Branchenriesen auf Deutschland. Hier durchgeführte Studien gelten als billig und gut - auch im Vergleich mit den USA.

"Wir haben hoch qualifizierte Leute in unserer klinischen Forschung bei GlaxoSmithKline (GSK) und in den Zentren, mit denen wir zusammenarbeiten. Dadurch sind die Studien sehr effizient. Und das spart wiederum Kosten", lobt Torsten Strohmeyer, Leiter Forschung und Medizin bei GSK in Deutschland. Der britische Konzern beschäftigt rund 330 Mitarbeiter in München - großteils mit der Durchführung klinischer Studien. Auch eine Sprecherin des US-Unternehmens Essex Pharma lobt an Deutschland "sehr gute Infrastruktur und sehr gut ausgebildete Forscher in klinischen Zentren". Im Großraum München arbeitet das Unternehmen mit 14 Kliniken und etwa 70 Arztpraxen für Studien zusammen. Bei GSK hat man die Erfahrung gemacht, dass klinische Studien in Westeuropa etwa halb so teuer sind wie in den USA. Und Deutschland liege noch unter dem Westeuropa-Schnitt, erklärt Strohmeyer.

Allerdings erschwerten bürokratische Hemmnisse - insbesondere in Klinikverwaltungen - die Arbeit. Grundsätzlich stünden aber Behörden und Ethikkommissionen den Studien offener gegenüber als noch vor einigen Jahren. Der Kostendruck auf Deutschland wächst - auch in diesem Sektor - mit der Konkurrenz aus dem Osten. "Einfache Studien werden mehr und mehr in Osteuropa oder langfristig auch in Indien durchgeführt werden", prognostiziert Strohmeyer. Die dortigen Kosten seien für Deutschland nicht zu schlagen. Forschern hierzulande bleibe das Spitzensegment: "Bei hoch komplexen Vorgängen, für die große Expertisen und aufwendige Logistik nötig sind, kann Deutschland seine Stärke ausspielen."

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