„Deutschland als Problemmarkt“: Phoenix Solar glaubt nicht an ein weiteres Wachstum und trennt sich vom verlustreichen Deutschland-Geschäft – im Bild eine Solaranlage beim Firmensitz in Sulzemoos.

Energie

Phoenix Solar gibt Deutschland-Geschäft auf

München - Das angeschlagene Photovoltaik-Unternehmen Phoenix Solar steht vor einem radikalen Einschnitt. Die Firma aus Sulzemoos bei Dachau trennt sich vom verlustreichen Deutschland-Geschäft. Rund 100 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Die Solarbranche in Deutschland kämpft weiter ums Überleben. Jetzt hat es Phoenix Solar getroffen. Am Montagabend verschickte das Unternehmen die Hiobsbotschaft an die Mitarbeiter. Die meisten dürften zu dieser Zeit längst nicht mehr an ihrem Schreibtisch gesessen haben. Sie erfuhren erst Dienstagmorgen von der Kündigungswelle. Auch Phoenix-Solar-Chef Andreas Hänel, der die Firma 1999 gründete, verlässt Ende Februar das Unternehmen.

„Das war keine einfache Entscheidung“, sagt Hänel. Nach mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze sei das Unternehmen quasi Teil der Familie. Hänel betont jedoch, dass er sich freiwillig zurückziehe. Ziel sei es, den Vorstand zu verkleinern. Sein Nachfolger wird Bernd Köhler, bisher Finanzchef des Unternehmens.

Verantwortlich für den radikalen Umbau ist das verlustreiche Deutschland-Geschäft. „Deutschland entwickelt sich zum Problemmarkt“, sagt Phoenix-Solar-Sprecher Joachim Fleïng. Allein 2012 verzeichnete Phoenix Solar in Deutschland einen zweistelligen Millionenverlust – und eine Kehrtwende ist nicht in Sicht. Der Vorstand zieht daher die Reißleine. Insgesamt erwartet Phoenix Solar nach vorläufigen Zahlen für 2012 einen Verlust vor Zinsen und Steuern von rund 32 Millionen Euro – bislang hatte man 19 bis 25 Millionen Euro prognostiziert. Künftig will sich das Unternehmen vor allem auf die Wachstumsmärkte in Asien und den USA konzentrieren.

Hat Schwarz-Gelb mit seinem Hick-Hack um die Ökostromumlage das Geschäft in Deutschland kaputt gemacht? Hänel gibt sich selbstkritisch: „Es wäre vermessen, die Schuld allein auf die Politik abzuschieben. Kein Management ist ohne Fehler.“ Allerdings hätten sich die Rahmenbedingungen für die Solarbranche teils über Nacht geändert. „Das hat Investoren massiv verunsichert.“

Phoenix Solar gehört zu den Pionieren der Branche. Die Firma entstand 1999 aus einer Solar-Initiative des Bundes der Energieverbraucher. Hänel, promovierter Maschinenbauer, startete damals mit einem Mitarbeiter, ein Jahr später waren es bereits 30 Angestellte. Phoenix Solar baut Solarkraftwerke – von der Kleinanlage für Privatkunden bis zum Großprojekt. Hinzu kommt der Handel mit Bauteilen und die Wartung von Anlagen. Seit November 2004 ist das Unternehmen börsennotiert. Die Aktie stand gestern Nachmittag bei 1,21 Euro – ein Minus von sechs Prozent. Im Solarboom erreichte das Papier 2008 einen Rekordwert von über 50 Euro.

Es ist nicht das erste Sparprogramm des Unternehmens. Nach einem Verlust von über 80 Millionen Euro kündigte Phoenix Solar im Herbst 2011 an, rund 200 Mitarbeiter zu entlassen – mehr als die Hälfte der Belegschaft. Jetzt also der nächste Einschnitt: In der Firmenzentrale in Sulzemoos gibt es künftig nur noch 21 Stellen (bisher 91). In Ulm sind es 14 Stellen (bisher 41). Im Ausland will Phoenix Solar dagegen wachsen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen außerhalb Deutschlands rund 80 Mitarbeiter.

Phoenix Solar residiert in aufwändig restaurierten Stallungen des Schlosses Sulzemoos. Dort bleibt auch das Unternehmen. In den nächsten Wochen wird Hänel allerdings sein Büro oben unter dem Scheunendach räumen. Als Berater steht er aber weiterhin zur Verfügung. „Auch emotional bleibe ich mit Phoenix Solar verbunden.“

Steffen Habit

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