Hauptversammlung

Phoenix Solar: "Tränen trocknen und durchstarten"

München - Nur mit einem radikalen Sparkurs hat das angeschlagene Solarunternehmen Phoenix Solar sein Überleben gesichert. Trotz vereinzelter Kritik am Vorstand – die Aktionäre tragen den Sanierungsplan mit.

Mit einem Bild verdeutlicht Phoenix-Solar-Chef Bernd Köhler den Überlebenskampf des Solarunternehmens mit Sitz in Sulzemoos bei Dachau: Seit zwei Jahren kämpfe sich das Segelboot Phoenix Solar durch raue See. Um nicht unterzugehen, hätte das Management mitten im Sturm Lecks reparieren und das Schiff um mehr als die Hälfte verkleinern müssen, sagt Köhler bei der Hauptversammlung in Fürstenfeldbruck. „Einiges ist notdürftig geflickt, aber wir hoffen, dass es hält.“

Das hoffen auch die Aktionäre. Seit Herbst 2011 reißen die Negativ-Meldungen nicht ab. Erst musste das Unternehmen einen Rekordverlust von knapp 85 Millionen Euro verkünden, dann folgte ein radikaler Stellenabbau. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter wurde entlassen. Die Sparmaßnahmen reichten aber nicht aus. Im Frühjahr 2013 verkündete die Solarfirma, das verlustreiche Deutschland-Geschäft aufzugeben. Weitere 100 Angestellte verloren ihren Job. Von den einst gut 400 Mitarbeitern sind in Deutschland gerade mal knapp 40 übriggeblieben. „Einen solchen massiven Stellenabbau in zwei Jahren habe ich noch nicht erlebt“, sagt Köhler, der als Sanierer 2011 zu Phoenix Solar wechselte. „Hurra, wir leben noch!“ Für Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist das die gute Nachricht. Durch die schmerzhaften Einschnitte habe Phoenix Solar im Gegensatz zu vielen Konkurrenten gerade noch rechtzeitig das Steuer herumgerissen.

Skeptisch sieht Klose allerdings den Rückzug aus Deutschland. „Warum wollen Sie dieses Geschäft, das Sie bestens kennen, der Konkurrenz überlassen?“ Nicht alle Aktionäre beurteilen das Management so positiv. „Sie haben unser Kapital verbrannt“, wettert ein Aktionär. Ein anderer kritisiert, der Vorstand habe nicht rechtzeitig auf den Einbruch in der Solarbranche reagiert. Mit dem Absturz der Aktie haben sie viel Geld verloren. Gestern Nachmittag lag das Papier bei 1,37 Euro. Vor zwei Jahren stand die Aktie noch bei rund 20 Euro. „Der Ausstieg aus dem Deutschland-Geschäft ist uns natürlich nicht leichtgefallen“, betont Köhler. Mehrere Szenarien habe der Vorstand durchgerechnet: „Aber es gab keine Alternative.“ Die Marge in Deutschland sei zu gering, argumentiert Köhler. Hinzu komme die hohe Verunsicherung durch ständige Einschnitte bei der EEG-Umlage. Künftig konzentriert sich Phoenix Solar auf die Wachstumsmärkte in den USA und Asien.

Auch in Italien, Spanien und Griechenland will das Photovoltaik-Unternehmen weiter wachsen. Nur das Wartungsgeschäft soll in Deutschland fortgeführt werden. Die Zahlen aus dem ersten Quartal zeigen erste Erfolge. Mit einem Verlust (Ebit) von 4,2 Millionen Euro schrieb Phoenix Solar zwar erneut rote Zahlen. Ohne die Kosten für Abfindungen und Umstrukturierung hätte das Minus jedoch nur bei knapp einer Million Euro gelegen, so Köhler. Für das Gesamtjahr rechnet er mit einem Ebit zwischen minus sieben und minus zwei Millionen Euro. Auch wenn die Prognose noch kein Grund zur Freude ist, gibt sich DSW-Vertreter Klose optimistisch. „Jetzt bleibt nur: Tränen trocknen und durchstarten."

VON STEFFEN HABIT

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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