"Phonoline" schließt, die Telekom zahlt

- München - Als "Phonoline" am 19. März auf der Computermesse Cebit ans Netz ging, war der Rummel groß. Sogar Kanzler Schröder besuchte die Halle 26, um dort den Start der Musikplattform mitzuverfolgen. Über die sollten sich Internet-Nutzer künftig Lieder gegen Bares herunterladen, hoffte die Plattenindustrie. Aber daraus wurde nichts: Nach einem halben Jahr wird das Projekt wegen technischer Probleme und geringer Nachfrage eingestellt. Die beteiligte Telekom muss deswegen Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen.

<P>Die Geschichte von "Phonoline" beginnt 2002. Damals dämmert den Musikfirmen, dass sie etwas gegen die illegalen Tauschbörsen im Internet tun müssen. Denn wie schon in den Vorjahren bricht der CD-Absatz ein, da vor allem Jugendliche MP3s aus dem Netzt saugen, anstatt sich die Alben ihrer Popstars im Laden zu besorgen. Daraufhin einigen sich Branchenriesen wie Universal, Sony und BMG, ein gemeinsames virtuelles Plattengeschäft zu eröffnen, in dem die Nutzer Songs per Mausklick einkaufen können. Dabei beschränken sie sich darauf, die Ware in Form von digitalisiertem Liedgut bereitzustellen. Den Verkauf sollen Vertriebspartner auf eigenen Internetseiten gegen Lizenzgebühren übernehmen. Dafür gewinnt die Branche den Ticketvermarkter CTS Eventim.</P><P>Mit der technischen Plattform, die von der Telekom-Tochter T-Com programmiert wird, gibt es jedoch von Anfang an Probleme. So muss der ursprüngliche Starttermin im Herbst 2003 verschoben werden, weil die Übergabe drei Mal platzt. Und selbst nachdem "Phonoline" ans Netz geht, läuft die Software nicht rund: Im Mai 2004 beklagt sich Klaus-Peter Schulenberg, Chef von CTS Eventim, über ausfallende Systeme. Mehrfach waren die Seiten www.eventim.de nicht zu erreichen, was seiner Meinung nach auch die Ursache dafür war, dass täglich nur 1500 Lieder verkauft wurden.</P><P>Dass Phonoline jetzt abgeschaltet wird, geschieht auf Kommando der Telekom. Denn parallel zu T-Com hatte auch die Internet-Tochter T-Online an einem Musik-Download-Projekt gearbeitet. "Musicload" läuft bereits seit August 2003 und funktioniert besser und billiger als die Konkurrenz aus eigenem Hause, wie Beobachter meinen. Der Konzern meldete, dass die Plattformen zusammengeführt werden. "Künftig wird die Federführung für den Musikvertrieb bei T-Online liegen", heißt es. Mit der Musikindustrie hat man sich offenbar geeinigt, Schadenersatz in sieben- bis achtstelliger Höhe zu zahlen. CTS Eventim wird angeboten, den Vertrieb über Musicload.de fortzuführen. "Wir werden in den nächsten Wochen darüber sprechen", erklärte Schulenberg.</P>

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